Der lange Marsch der Linken gegen ein konservatives Stadtbild

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Sozialistischer Städtebau
Sozialistischer Städtebau in Ostberlin

Das Potsdamer Stadtparlament hatte nach jahrelangen Debatten, Workshops und Befragungen einen Plan zur Wiedergewinnung der historischen Mitte beschlossen. Das beinhaltete auch den Abriss des Hochhaushotels im ehemaligen Lustgarten, den Abriss der Fachhochschule und des Plattenbauwohnquartiers Staudenhof.

Was gestern beschlossen wurde, kann heute durch Bürgerentscheide wieder gekippt werden. So sah das eine von der linksextremen Stadtratsfraktion Die Andere initiierte Unterschriftensammlung für ein Bürgerbegehren, das das Quorum von 15.000 Unterschriften erreichte. Das Parlament verneinte aus juristischen Gründen die Zulässigkeit eines Bürgerentscheids, aber entschied sich gleichzeitig für einen Kompromiss: Das nicht ins Stadtbild passende Hotelhochhaus, an dem das Herz der Ostalgiker hängt, soll stehen bleiben, dafür aber das Gebäude der Fachhochschule (FH) abgerissen werden. Außerdem gab es noch ein paar kleinere Konzessionen beim Wiederaufbau der unter der FH begrabenen Quartiere.

Die linken Bürger*innenentscheid-Initiator*innen sind empört, dass die Linkspartei diesen Kompromiss mitträgt. Sie klagten gegen den Parlamentsbeschluss. Alles oder nichts, bloß keinen Kompromiss.

Siehe auch hier!

Jetzt wurde vom Verwaltungsgericht entschieden, dass die Ablehnung zu Recht erfolgt sei, da das Begehren die Bürger falsch informiert habe.

Für die Aktivist_innen um den Oberaktivisten André Tomczak ist das das Signal zum Aufbruch in eine neue Dimension des Kampfes gegen den Barockfaschismus in Potsdam. Jetzt entstand ein „breites Bündnis“ der gesellschaftlichen Gruppen, Vereine, Initiativen, die irgendwie links sind: die aus der DDR stammende Volkssolidarität, eine Art sozialistisches Rotes Kreuz, der Verein zur Förderung antimilitaristischer Traditionen, das Stadtteilnetzwerk Potsdam-West, die „Kulturlobby“ usw.

(Noch) nicht dabei: der Humanistische Verband, der die DDR-Tradition der Jugendweihe pflegt, der Bauernverband, die Interessenvertretung der aus den DDR-Kolchosen hervorgegangenen Agrarfirmen, die Deutsch-Russische Freundschaftsgesellschaft, der Nachfolger der Deutsch-Sowjetischen Freundschaftsgesellschaft der DDR, der Verein der Bundestagsfraktion der Linkspartei, die Amadeu-Antonio-Stiftung, die Prussian(!) Fat Cats, eine linksextreme, Rollschuhsport treibende Damengruppe, die den Wiederaufbau der Garnisonkirche bekämpft.

Das erinnert an die DKP-Taktik in Westdeutschland: Es gab immer wieder Kampagnen, die von „breiten Bündnissen“ getragen wurden. Wenn man genauer hinschaute, waren die Antifa-, Friedens-, Antikriegs-, Menschenrechts-Initiativen, die Vielfalt und Buntheit vorspiegelten, in Wirklichkeit Vorfeldorganisationen der DKP.

Tomczak und seine Mitkämpfer planen ein Happening auf dem Alten Markt, ein „farbenfrohes Fest“. Sicher sind noch Schaumstoffsteine übrig vom Werfen auf das Stadtschloss in Erinnerung an den 48er Revolutionär Max Dortu. Jetzt könnte man sie auch auf das Barberini werfen.

Die RetterInnen der Potsdamer „DDR-Moderne“ sprechen nicht mehr vom „Barockfaschismus“, den die zugezogenen westdeutschen Reichen errichten würden, sondern von einem „konservativen Stadtbild“, das sie bekämpfen.

(unter Verwendung eines PNN-Berichts v. 7.3.17)

Interessant ist ein Vergleich mit Dresden. Ähnlich wie heute die linke Szene die angeblich feudale Baukultur Potsdams bekämpft, hat die SED versucht, beim Wiederaufbau des kriegszerstörten Dresdens, eine sozialistsche Großstadt erstehen zu lassen. die hutigen Potsdamer auseinandersetzungen geschahen dort währende der DDR-Existenz. Denkmalschützer und Bürger setzten sich für den Erhalt und die Rekonstruktion historischer Gebäude ein, während die Kommunisten breite Straßen und Großkomplexe für Essen und Einkaufen planten und teilweise auch realisierten: Tanja Scheffler, Vom schnellen Scheitern der sozialistischen Städtebaukonzepte. Der Weg zurück zur historischen Stadt, Deutschland-Archiv 29.11.2012, http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/147752/dresden-das-scheitern-der-sozialistischen-stadt  (8.3.17)

 

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Ein Kommentar zu „Der lange Marsch der Linken gegen ein konservatives Stadtbild

    […] ganz beseelt von den Hamburger Krawallen haben Potsdamer Linksextremisten um André Tomczak den DDR-Bau der Fachhochschule besetzt. Sie wollen verhindern, dass der Monumentalbau, in ihren Augen „bedeutende […]

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