Das Produkt einer Denkfabrik: Karte der deutschen Medienlandschaft

Gepostet am Aktualisiert am

Als ich diese Graphik sah, dachte ich, dass es ein neues Satiremagazin gäbe: polisphere. (Eine größere, besser lesbare Karte ganz unten)

Dann aber las ich, dass sie von einer „Denkfabrik“stammt, deren Geschäftsführerin mit ihrem Laden („think tank for political consulting“) beim linken Berliner Tagesspiegel gelandet ist. (Sie selbst ist seit kurzem nicht mehr dort.)

Ein Mitarbeiter hatte eine Karte der deutschen Medienlandschaft gezeichnet, die ich fälschlich für Satire hielt: Deutschlandfunk, ZDF und ARD wären „verlässliche Nachrichtenquellen“, Stern, Spiegel Online, Focus „besser als überhaupt keine Nachrichten“, Cicero, Tichys Einblick, AchGut „Altherrenjournalismus“ mit „fragwürdigen journalistischen Werten“, aber immerhin „komplex“, Der Spiegel und Die Zeit „tiefgründige Nachrichtenquellen“. Beim Spiegel wird gar das Analytische als Kennzeichen genannt.

Die Diskussion um Fake News oder unterschlagene Nachrichten in den „verlässlichen Nachrichtenquellen“ ist spurlos am Zeichner vorbeigegangen (Stichworte „Lügen- „und „Lückenpresse“). Der inszeniert sich in einem Tweet: „Hupsi“, schreibt er, „ich stelle gerade fest, dass ich meinen ehemaligen Arbeitgeber Tagesspiegel in der Mitte plaziert habe.“

Der Einheitsjournalismus in Sachen Migration, Genderismus, Israelkritik, Kampf gegen rechts passt schlecht in eine Links-Rechts-Matrix.

Auch taugen die alten Weltbilder von links und rechts weniger als früher. Die Welt gilt für alle Zeit als rechtes Blatt, obwohl sie es nicht mehr ist. Journalisten lassen sich nicht mehr in rechte oder linke Ecken stecken. Sie wechseln die Redaktionen ohne Rücksicht auf politische Himmelsrichtungen. Sie schreiben gleichzeitig für „linke“ und „rechte“ Blätter. (Die Jobs werden wegen des Auflagenschwunds weniger.) Dabei geben sie ihre persönlich politische Einstellung nicht auf. Chefredakteur der Welt z. B. war ein ehemaliger Sponti und er war ein guter Chefredakteur. Der jetzt in der Türkei inhaftierte Welt-Korrespondent Deniz Yücel ist alles andere als rechts. Er hat z. B. Sarrazin einen zweiten Schlaganfall gewünscht und ist auch sonst nicht zimperlich.

(Anmerkung) Durchgestrichen: Ich sehe das inzwischen so, dass Journalisten ihre politischen Überzeugungen treu bleiben, egal, bei welcher Zeitung sie arbeiten.

Deswegen findet man in der taz hin und wieder einen lesbaren Artikel und dann wieder in der Welt. Auch im Tagesspiegel, mit eigener Gender-Redaktion, stand einmal ein genderismuskritischer Artikel. Es ist schwieriger, aber nicht unmöglich geworden, eine Tendenz in den Medien zu entdecken.

Das Gute ist, dass Journalisten heute nicht mehr unangefochten auf dem hohen Ross der „Vierten Gewalt“ sitzen und entscheiden, wen sie rauf- oder unterschreiben. Es gibt zahlreiche Blogs und Plattformen, die die Medien beobachten und ihr Informationsmonopol gebrochen haben.

Die Karte etwas größer:

http://www.polisphere.eu/wp-content/uploads/2017/02/medienlandschaftskarte.pdf

Fast 50% der Journalist*innen präferieren linke Parteien (Grüne, Linke, SPD). 36% machten keine Angaben.  Vgl. statista!

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