Der Mensch bezwingt den Kosmos. Ein Potsdamer Lehrstück

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Der Satz ist der Titel einer Reihe großflächiger Mosaike, die das nicht zu einem Höhepunkt der DDR-Baukultur gehörende Rechenzentrum in Potsdams Dortustraße schmücken. Der Bau ragt ein wenig in das Grundstück der gesprengten Garnisonkirche, vulgo „Nazikirche“, hinein und wird damit zum Problem beim geplanten Wiederaufbau des Turms.

Mit einem geglückten Coup wurde das leerstehende, renovierungsbedürftige Gebäude bis zum vereinbarten Abriss zum Haus für Kunstschaffende umgewidmet. Die wollen aber gar nicht mehr ausziehen. Sie hängen Laken mit Anti-Garnisonkirchen-Parolen aus dem Fenster und verlangen von der Stadt, das Gebäude zu sanieren und zu modernisieren. Die Stadtverwaltung hat den Nutzungsvertrag schon verlängert.

Nachtrag Juni 2017: Das neueste Argument der im Rechenzentrum residierenden Kunstschaffenden gegen den Wiederaufbau ist, dass der zu erwartende Baulärm ihre Kreativität beeinträchtige.

(Noch Nachtrag) Die Landeszentrale f. pol. Bildung stellt ein Buch des Journalisten und Wiederaufbaugegners Matthias Grünzig vor. Grünzig ist seit Jahren aktiv gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche, dieser „gotteslästerlichen Bude“ (Grünzig-Kollege bei der Zeit, Christoph Dieckmann, unterwegs. Er will angeblich Mythen und Legenden zerstören, von denen sich herausstellt, dass sie gar keine sind. Vor zwei Jahren war er mit denselben Dokumenten schon einmal angetreten.

Als Kunst am Bau schuf der DDR-Künstler Fritz Eisel den Bilderzyklus über die sowjetische Raumfahrt. Es besteht Einigkeit darüber, dieses Kunstwerk zu erhalten. Sowohl die Garnisonkirchengemeinde sieht das so als auch die Stadtverwaltung. Nun kommt aber Spannung auf, weil die Freund_innen der DDR-Baukultur unermüdlich den Eindruck erwecken, das Kunstwerk solle vernichtet werden (So z. B. auf dem Podium der Lea Rosh Ende Januar in Berlin). Sie bestehen darauf, dass es dort, wo es steht, erhalten werden muss.

mosaikJetzt hat sich ein prominenter Historiker, Prof. Sabrow, dafür ausgesprochen. Wenn es nach ihm gegangen wäre, wäre im Rechenzentrum ein DDR-Alltagskulturzentrum eingerichtet worden. (Da er beklagt, dass die DDR nur als Repressionsstaat gesehen würde und das Fortschrittliche an ihr vernachlässigt werde, kann man sich die didaktische Konzeption des Museums unschwer vorstellen.)

Was mich immer ein wenig erheitert beim Anblick des letzten Mosaiks: Das zeigt Juri Gagarin Alexej Leonow, im prallen Raumanzug wie ein Michelin-Männchen aussehend, wie er von einem Weltraumausflug in die Raumkapsel zurückkehrt.

Irgendjemand, vielleicht ein Stadtführer, erzählte, dass die Rückkehr für Leonow lebensgefährlich gewesen war. Sein Raumanzug hätte sich im luftleeren All aufgebläht und er passte anfänglich nicht mehr durch die Luke…

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