Journalisten wollen das Monopol auf Fake-News behalten

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Es gibt eine Sammlung von alten Fake-News in Zeitungen. Die nannte man früher Zeitungsenten oder ganz ohne Fremdsprache Falschnachrichten. Zurzeit bekommt man den Eindruck, dass es Zeitungsenten, also Fakenews, nur in den sozialen Medien gäbe und nur von Rechtspopulisten. Alle Anstrengungen hätten sich darauf zu richten, sie dort zu bekämpfen.

An vorderster Front dieses Kampfes stehen Journalist*innen. Etwa das Kollektiv „Correctiv“, dem zwar auch schon mal eine Ente passiert, das aber vorrangig Facebook observieren will. In der Amadeu-Antonio-Stiftung, in der Linke festlegen, was rechts ist, arbeiten Zeitungsjournalisten u. a. von Die Zeit und Tagesspiegel mit, eine rbb-Journalistin ist Mitglied im Stiftungsrat.

Dirk Maxeiner weist auf den Artikel eines Mitglieds der Chefredaktion der Süddeutschen, Stefan Plöchinger, hin, der im Verbandsblatt(!) der deutschen Journalisten zum Kampf gegen die Lügner*innen in der digitalen Welt aufruft.

Maxeiner zitiert Hanns Joachim Friedrichs: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“

Enttäuscht bin ich heute von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS).

Dort lässt sich ein Mitarbeiter, Jost Kaiser, von dem bisher etwas gelesen zu haben, ich mich nicht erinnern kann, über Henryk Broder und Harald Martenstein aus. Er gibt eine recht wirre These zum Besten: Broder und Martenstein, die früher Linksextremisten gewesen waren (Martenstein war in der Tat in der DKP), wären am rechten Rand gelandet. Dort wollten sie ihren linken Traum von der Revolution endlich vollenden.

Kann man den Traum von der linken Revolution auf der rechten Seite des politischen Spektrums erfolgreich fortsetzen? Sind Broder und Martenstein jetzt am rechten Rand Publizierende, gar klüger als ihre ehemaligen Genossen in den Redaktionsstuben, Rundfunk- und TV-Sendern, in den linken Parteien?? Haben Sie erkannt, dass sie die Revolution, von der Linke träumen, nur als Rechte machen können, sozusagen als fünfte Kolonne der Linkspartei?

Ach so! Die beiden Ex-Linken wollen gar keine linke Revolution, sondern eine völkische. Was immer das auch sein mag.

Dem Jost Kaiser scheint selbst zu dämmern, dass er sich in eine geistige Sackgasse geschrieben hat, denn er holt zum Rundumschlag aus: Martenstein und Broder wären auf den Spuren des „linksrechtsradikalen völkischen Nationalisten“ Jürgen Elsässer.

Kaiser springt als schreibender Tiger und landet im flauschigen Bettvorleger. Dann lieber den Trash-Talk des Stalinisten Zizek in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Jost Kaisers Schweinejournalismus passt zu den Bemühungen, alles, was rechts von einer sozialdemokratisierten CDU steht, in den Topf des dunkeldeutschen Nazi-Packs zu werfen. Es ist nicht der erste Versuch, Broder und seinen Blog in die rechte Ecke zu schieben.

Was sich Kaiser in seinem Hass auf die beiden Kollegen entgehen lässt: Er hätte davon schreiben können, wie sich Extreme berühren:

  • der Sozialist Mussolini, der, noch als Linker, zum Erfinder des italienischen Faschismus wird
  • der Professor Agnoli, der von den italienischen Neofaschisten zum Theoretiker der 68er Berliner Linksextremisten wird
  • der RAF-Anwalt Mahler, der zum Neonazi wird
  • der AfD-Antisemit, der früher Kommunist war

Kaiser wertet die 0,2,%-DKP auf: Er spricht von einer Querfront. Querfront ist für mich, wenn Lafontaine, Dr. Wagenknecht, Marine Le Pen und Geert Wilders sich bei der Beurteilung von Russland, der EU oder der Flüchtlingskrise einig sind.  (Nachtrag:)  Oder wenn die Sozialisten um Frau Dr. Wagenknecht und die Nationalbolschewisten um Herrn Gauland bei der Wahl Steinmeiers zum Bundespräsidenten gemeinsam sitzen bleiben.

Zu welcher Querfront gehören Martenstein und Broder?

Was für Kaiser unbegreiflich scheint: Wer in seiner Jugend radikal war, muss es nicht zwangsläufig ein Leben lang sein.

Einen schlagenden Beweis für die Zugehörigkeit des Duos zum rechten Rand führt er dann doch noch an: Sie sind gegen die Gender-Theorie! 

Zeitungen, auch die Mainstream-Blätter, leiden unter Auflagenschwund. Gleichzeitg sehen sie mit zunehmender Verärgerung, dass Blogs ehemaliger und unabhängiger Journalisten in ihrem angestammten Lesermilieu an Zulauf gewinnen. Es gibt nicht mehr nur die linken Blogs und Plattformen wie Nachdenkseiten, Bildblog, Netzpolitik.org, indymedia, sondern liberale, radikalliberale und konservative, auch rechtskonservative Blogs, die ihren Lesern ermöglichen, die Berichterstattung von Zeitungen kritisch zu begleiten. Wer die Kommentarspalten von Zeit Online oder Tagesspiegel Online verfolgt, erfährt, wie irritiert Leser sind, die glaubten eine liberale Zeitung abonniert zu haben und jetzt überall von traumatisierten geflüchteten Kindern, Frauen und akademisch gebildeten Syrern lesen, von Neurechten, die die Wissenschaftlichkeit von Genderstudien anzweifeln und bei jedem antisemitischen Satz eines AfD-Kreistagsabgeordneten den Faschismus heraufziehen sehen.

Liebe Frankfurter Allgemeine, gerade habe ich mein Abonnement verlängert. Sollte das ein Fehler gewesen sein?

Siehe weitere Fake-News usw. hier!

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