Umstrittener Städtebau in Potsdam: Erhalt, Abriss oder Rekonstruktion?

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Der Architekt Thomas Albrecht, der die Rekonstruktion des Garnisonkirchenturms leitet und das Konzept für den multifunktionalen Innenausbau des Turms entworfen hat, überzeugte mich schon kürzlich im Salon von Lea Rosh mit seinen Ausführungen. Heute wird er, der auch das neue Palais Barberini in Potsdam realisiert, in den Potsdamer Neuesten Nachrichten, p 15, interviewt. Seine Antwort zum Erhaltungswert von DDR-Architektur gefällt mir besonders gut:

„… aus dieser Epoche werden nur Gebäude Bestand haben, die das Herz der Menschen erwärmen und die sie lieben. Nehmen Sie als Beispiel die Frankfurter Allee, früher Stalinallee, in Berlin. Niemand käme auf die Idee, die Häuser dort abzureißen. – einfach weil sie schön sind. Diese Qualität hat die Fachhochschule (Potsdam, Alter Markt; GS) nicht.

Ein Gebäude aus rein ideologischen Gründen stehen zu lassen, funktioniert nicht. Spätestens die nächste Generation wird es doch abreißen.

Zum Hintergrund:

In Potsdam kämpft die alt- und neulinke Szene heftig für den Erhalt von DDR-Bauten. Rekonstruktion und Renovierung von Gebäuden aus der Zeit Friedrichs des Großen und der Kaiserzeit sind ihr ein Gräuel („Barockfaschismus“). Die neu hinzugezogenen Reichen hätten in Potsdam das Sagen.

Haus des Reisens Potsdam
Haus des Reisens, Potsdam:    Nach seinem Abriss empfand ich schon den Anblick der entstandenen Baulücke als wohltuend.

Die SED hatte ganze Straßenzüge mit Häusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert abreißen lassen und Plattenbauten errichtet. Das heute als Touristenattraktion geltende Holländische Viertel aus dem 18. Jahrhundert hat nur dank der „Wende“ vor weiterem Verfall bewahrt werden können (So weit es in der DDR schon Bemühungen des Denkmalschutzes oder von Bürgern gab, waren die nicht ausreichend.)

Die im Krieg beschädigten, aber wiederaufbaufähigen Garnisonkirche („Nazikirche“) und das Stadtschloss der Hohenzollernkönige (Symbol der Feudalherrschaft) wurden gesprengt.

Erhalten wollen dagegen die Alt- und Neu-Linken das Interhotel-Hochhaus (zzt. Hotel Mercure) und ein Rechenzentrum, für das zudem eine millionenteure Sanierung gefordert wird. Sein Erhalt würde den Wiederaufbau des Garnisonkirchenturms erschweren, weil es zum Teil auf dem Garnisonkirchengelände errichtet wurde.

In der Blogkategorie „Potsdam“ gibt es mehrere Beiträge zur Potsdamer Baukultur.

Passend zum Thema:

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Ein Kommentar zu „Umstrittener Städtebau in Potsdam: Erhalt, Abriss oder Rekonstruktion?

    […] tat das Prof. em. Adrian von Buttlar bei einem Podium zum Wiederaufbau der Garnisonkirche. Ihm reichte nicht, was die Gemeinde plant, um die umstrittene […]

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