Die Legende von der Nazi-Kirche in Potsdam

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Am besten, man liest zuerst, was ich vor drei Jahren zu den geschichtspolitischen Narrativen zur Potsdamer Garnisonkirche geschrieben habe. (Es gibt weitere )Garnisonkirchen-Beiträge: Garnisonkirche 2 – 4)

In Berlin hat die ehemalige Journalistin Lea Rosh, inzwischen achtzigjährig, aber immer noch sehr aktiv, zu ihrem monatlichen „Salon“ eingeladen, dem ersten im Jahr 2017. Das Podiumsgespräch handelte dieses Mal von der Potsdamer Garnisonkirche. Das Thema ist gerade wieder aktuell, da durch eine Spende von Günther Jauch der Wiederaufbau des Turms realistischer geworden ist.

Also fuhren viele Potsdamer nach Berlin-Wilmersdorf in die Kommunale Galerie.

Ich schreibe jetzt kein Protokoll der Veranstaltung. Es geht mir um zwei Sachen, die ich von dort mitgenommen habe:

Einer der eingeladenen Garnisonkirchengegner, der Architekturjournalist Matthias Grünzig, ist für den Wiederaufbau des Turms. Aber nur, wenn daraus ein Dokumentationszentrum gegen Rechtsextremismus würde. Er findet die Ausstellungsfläche im Turm, auf der die Geschichte der Kirche dokumentiert werden soll, zu mickrig und auch die lächerlich geringe Zahl der dafür vorgesehenen Personalstellen. Er vergleicht mit der Fläche und der Personalstärke der Topographie des Terrors in Berlin.

Das entspricht der neuen Linie der regionalen Linkspartei: Garnisonkirchenturm, na ja, aber bitte als Dokumentationszentrum gegen…

Der Einwand, man könne im Turm der Garnisonkirche doch nicht eine komplette Ausstellung des deutschen Rechtsextremismus in Geschichte und Gegenwart plus Aufklärungs- und Präventionskursräume unterbringen, beeindruckt Grünzig nicht.

Neben dieser „Bereicherung“ der kontroversen Diskussion um den Wiederaufbau der Garnisonkirche fiel mir an diesem Abend wieder auf, wie sehr die Linken mit derselben Methode operieren, mit der schon Hitler und die Bohrmaschinenfabrik Black und Decker die Massen gewonnen haben: Man muss dem Publikum einfache Parolen einhämmern, immer wieder.

Hitler in Mein Kampf: „Die Aufnahmefähigkeit der großen Masse ist nur sehr beschränkt, das Verständnis klein, dafür jedoch die Vergeßlichkeit groß. Aus diesen Tatsachen heraus hat sich jede wirkungsvolle Propaganda auf nur sehr wenige Punkte zu beschränken und diese schlagwortartig so lange zu verwerten, bis auch bestimmt der Letzte unter einem solchen Worte das Gewollte sich vorzustellen vermag.“

Das geschieht nicht so schreiend wie bei der früheren Black und Decker-Werbung. Aber: einämmern, so oft es geht wiederholen.

Hitler weiter: „Jede Propaganda hat volkstümlich zu sein und ihr geistiges Niveau einzustellen nach der Aufnahmefähigkeit des Beschränktesten unter denen, an die sie sich zu richten gedenkt… Je bescheidener dann ihr wissenschaftlicher Ballast ist, und je mehr sie ausschließlich auf das Fühlen der Masse Rücksicht nimmt, um so durchschlagender der Erfolg. Dieser aber ist der beste Beweis für die Richtigkeit oder Unrichtigkeit einer Propaganda und nicht die gelungene Befriedigung einiger Gelehrter…“

In unserem Fall geschieht es eher nebenbei: So spricht der Journalist Grünzig vom „Kadavergehorsam“ im preußischen und deutschen Militär. Das prägt sich ein, bleibt hängen. Der inhumane Drill und die arroganten Offiziere. Es war in den anderen Armeen Europas nicht viel anders, manchmal sogar schlimmer. Die Militärjustiz war oft härter, die Schinderei der einfachen Soldaten brutaler. In englischen Militärflugzeugen gab es noch lange nach dem Zweiten Weltkrieg nur einen Fallschirm, für den Piloten.

Wer wird denn genau hinschauen? Militarismus, Imperialismus, Kadavergehorsam, alles deutsche Erfindungen?

Heeresreform 1807? Abschaffung der Prügelstrafe. Offzierswiderstand 1939 bis 1944? Ein Vergleich mit dem britischen Militär mit der viel höheren Bestrafungsrate bis hin zur Verhängung der Todesstrafe?

Auch die in Berlin zurzeit regierenden linken Parteien schreiben diese Weltsicht in die Koalitionsvereinbarungen: „Berlin war die Hauptstadt des Kaiserreiches und damit Mittelpunkt kolonialer  Großmachtträume. Der aggressive Kampf um geopolitischen Einfluss und Ressourcen führte von Berlin aus in den Ersten Weltkrieg.“ Da kann man nur hoffen, dass die neuen Regierenden von Stadtpolitik mehr Ahnung haben als vom Kolonialismus und der deutschen Kriegsschuld.

Zu dieser vereinfachenden Erzählung, in der seit dem Soldatenkönig alles auf Hitler hinausläuft, zählt auch das Narrativ von der Potsdamer „Nazi-Kirche“. Auch die ist eingängig und süffig. Wen interessiert, dass in der Garnisonkirchengemeinde nicht stramme Nazis den Ton angaben? Die Gemeinde hat sich, so oft es ging, gegen Veranstaltungen nationalsozialistischer Gruppen ausgesprochen. Der Pfarrer der Potsdamer Nikolaikirche war ein Nazi, der Pfarrer der Garnisonkirche nicht.

Der Tag von Potsdam war nicht von den Nazis eingefädelt worden. Sie erkannten aber schnell sein Potential und nutzten es in ihrem Sinne. Goebbels dreht sich vor Freude im Grab, wenn er sieht, dass man ihm heute noch auf den Leim geht und von Nazi-Kirche redet.

Das Kaiserreich war nicht die Vorgeschichte zum Faschismus, wie uns die linke Propaganda einbläuen will. Im Reich ging es toleranter zu als in Groß-Britannien oder Frankreich, z. B. was Pressefreiheit anging. Die Justiz war korrekter, die soziale Gerechtigkeit war größer, das Gesundheitswesen besser. Den Zeichnungen von George Grosz zum Trotz war die deutsche Aristokratie nicht so arrogant und überheblich wie die englische.

Gelohnt hat sich der Abend wegen der sachlichen und kenntnisreichen Ausführungen des Architekten, des Bischofs Huber und des Vorsitzenden der Garnisonkirchen-Stiftung.

Lesetipp: Anke Silomon, Pflugscharen zu Schwertern, Schwerter zu Pflugscharen

Hinweis auf das Buch im Blog und bei Amazon

Die erstaunliche Raumausnutzung im geplanten Turm

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2 Kommentare zu „Die Legende von der Nazi-Kirche in Potsdam

    […] Siehe im Blog: die Legende von der Nazikirche […]

    […] der Kirche zu dokumentieren, als völlig unzureichend kritisierte und Vergleiche mit der Berliner „Topographie des Terrors“ anstellte, hielt ich das noch für eine der üblichen Warnungen, der Faschismus würde wieder […]

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