Muss der Interviewte dem Interviewer Recht geben?

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Rainer Bölling, dessen Berechnungen zu den immer besseren Abiturnoten hier vorgestellt werden, wurde im DeutschlandRadio interviewt.

Das Interview ist bemerkenswert. Es ist so ganz anders als die vielen Talkrunden im Fernsehen, wo die Gäste alles Mögliche behaupten dürfen, ohne dass in der Regel nachgefragt wird. Stattdessen darf der Nächste reden (oder fällt dem Vorredner ins Wort). Oder die Moderatorin/der Moderator ruft den Einspielfilm ab oder lenkt zum nächsten Thema über. Ganz selten hört man: „Diese Frage haben Sie mir aber jetzt nicht beantwortet.“

Wie anders eben Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk. Wenn der Interviewte nicht spurt, wird er zurechtgewiesen. Der israelische Botschafter hat das erlebt: „Hier stelle ich die Fragen“ herrschte ihn der Interviewer (im Deutschlandfunk) an.

Für Rainer Bölling ging es noch glimpflich ab. Der neigte nicht zu der Ansicht des Journalisten, dass ein Lehrer/eine Lehrerin jedem Schüler/jeder Schülerin alles beibringen können müsse, also auch jeden/jede zum Abitur führen müsse. Der jedoch beharrte darauf, egal, was Bölling antwortete. Dieser kann von Glück sagen, dass der Interviewer sich am Schluss dennoch bedankte. Aber er konnte sich den Satz: „Auch wenn wir uns nicht einig geworden sind“ nicht verkneifen.

Das Interview

Aus der Geschichte unserer nationalen Radiosender (zit. nach Wikipedia):

„Nach der Vereinigung beider deutscher Staaten 1990 hatte der Deutschlandfunk (DLF) seinen ursprünglichen Auftrag, die DDR und Osteuropa mit Informationen aus dem freiheitlich-demokratischen Deutschland zu versorgen, verloren. Auch war die „Treuhänderschaft“ des Bundes für die DDR-Bevölkerung abgelaufen, weswegen der Deutschlandfunk als per Bundesgesetz errichtete Anstalt nicht dauerhaft hätte weiterexistieren dürfen. Dennoch wollte man weiterhin überregionalen Hörfunk für das vereinigte Deutschland anbieten. Daher einigten sich die 16 Bundesländer mit Wirkung zum 1. Januar 1994 darauf, die Körperschaft des öffentlichen Rechts DeutschlandRadio per Staatsvertrag unter einem gemeinsamen Dach von ARD und ZDF zu errichten. Die bisherige Bundesanstalt des öffentlichen Rechts Deutschlandfunk ging zusammen mit dem ehemaligen West-Berliner RIAS und dem ehemaligen DDR-Deutschlandsender in dieser neuen Körperschaft auf. Die fremdsprachigen DLF-Auslandsprogramme wurden bereits zum 1. Juni 1993 an den deutschen Auslandsrundfunk, die Deutsche Welle, abgetreten. Mit der Fusion 1994 wurden nahezu alle Unterhaltungssendungen gestrichen und der Deutschlandfunk (GS: müsste es hier nicht besser DeutschlandRadio heißen?) als nationales Kultur- und Informationsprogramm positioniert.“

Immerhin haben die drei Sender unter dem DeutschlandRadio-Dach nur einen Intendanten.

Auf der Webseite des DLF steht nach Interviews immer dies: „Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.“ Wäre dies nicht passender: „Gesprächspartner, die auf ihrer Meinung beharren, werden nicht mehr interviewt.“

(Zuerst am 8.7.2015 in Basedow1764)

Der hier beschriebene Interviewstil unserer zwangsgebührenfinanzierten nationalen Radiosender nimmt zu. DLF-Journalistin Christiane Kaess praktiziert ihn auch: Das Interview mit der Grünen Simone Peter und das mit dem CSU-Europaabgeordneten Markus Ferber zu den sexistischen Äußerungen des EU-Kommissars Oettinger. Bei der linken Simone Peter ein einfühlsames Gespräch über die Zulässigkeit von Kritik an der „rassistischen“ Polizei. Dass CSU-Mann Ferber Oettinger vor dem Rassismus- und Sexismus-Vorwurf in Schutz nimmt, kommt bei Frau Kaess ganz schlecht an. Sie beharrt über das halbe Interview hinweg darauf, dass Oettinger ein Rassist wäre

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Ein Kommentar zu „Muss der Interviewte dem Interviewer Recht geben?

    […] Diesen Wettlauf können Zeitungen nicht gewinnen. Sie verlieren aber ihre Glaubwürdigkeit und Seriosität. Daher versuchen manche Journalisten, selbst Politik zu machen. Der Spiegel, vor allem Spiegel Online, können das gut. Man ruft jemanden zu einem Kandidaten für ein bestimmtes Amt aus. Man hebt einen Politiker in den Himmel und lässt ihn demnächst fallen. Z. B. spürt man in jedem FAZ-Interview mit ihr, dass die Redakteure die Verteidigungsministerin von der Leyen nicht mögen. Oder in den nationalen ARD-Wellen DLF und DRadio lassen Interviewer*innen manchen Interviewten deutlich spüren, dass er eine von der ihren abweichende Meinung vertritt. […]

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