Historische Bildung wird beliebig

Gepostet am Aktualisiert am

Auf meiner Warteliste der zu besprechenden Links steht ein Aufsatz von der Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung:

Subjektorientierte historische Bildung. Geschichtslernen in der Auseinandersetzung mit widersprüchlichen Deutungsangeboten zur DDR-Geschichte,

von Johannes Meyer-Hamme, http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/139259/subjektorientierte-historische-bildung?p=all

In den ersten Sätzen des Textes wird die Einseitigkeit der Geschichtsbilder moniert, die die DDR als Unrechts- und Repressionsstaat zeigen. Den Rezipienten würde dieses DDR-Bild aufgedrängt werden.

Zu solchen geschichtspolitischen Meinungen habe ich schon mehrfach Stellung genommen, u.a. hier in meinem ehemaligen Schulbibliotheksblog Basedow1764. Es kommt dieselbe Beliebigkeit und Inhaltsleere zum Ausdruck, die mir in den kompetenzorientierten Geschichtslehrplänen auffiel. Es geht bei Kompetenz- und hier: Subjektorientierung nicht mehr um Inhalte. Weil: was wirklich war, kann nicht festgestellt werden. Also ist alles wahr, was ein jeder glaubt, was wirklich war. Die höchste Stufe der Geschichtskompetenz ist, dass die Schülerin oder der Schüler seine eigene geschichtliche Erzählung findet und der Lehrer bzw. die Lehrerin als Moderator bzw. Moderatorin bei der Findung zur Hand geht.

Etwas anderes steht im vorliegenden Text auch nicht. Nur fehlt das Wort Kompetenz, was durchaus wohltuend wirkt. Dafür heißt es verwaschen: Die Lernenden sollen befähigt werden, sich zu verhalten. Sich zu verhalten zu den vielfältigen Narrativen, hier: Sicht auf die DDR. D. h. ihr Zustandekommen, ihre Begründung, ihren soziokulturellen Entstehungshintergrund beurteilen zu können. Das wäre dann historische Bildung. Es wäre schon hilfreich gewesen, der Verfasser hätte statt „verhalten“ von „sich ein Urteil bilden“ geschrieben. Damit wäre er wenigstens in die Nähe eines Lernziels gekommen, das in der Unterrichtsplanung operationalisierbar gewesen wäre-

Aufgegeben ist jegliche Suche nach inhaltlichen Kriterien, welches Geschichtswissen sinnvoll sein könnte. Geklagt wird nur über das Aufdrängen des Bildes einer repressiven DDR.

Didaktik als Frage, welche Inhalte ausgewählt werden, welche Kriterien ein Gegenwartsbezug liefern könnte, wovon man jenseits von subjektivem Interesse Kenntnis haben sollte: alles altmodischer, überholter Ballast.

Und am Rande noch eine Bemerkung: Die meisten Lehrer sind froh, wenn sie ihren Schülern Geschichtswissen auf den Lebensweg mitgeben können, Interesse wecken, kritischen Umgang mit Quellen und – durchaus auch – Multiperspektivität.

Aber das hier generell und undifferenziert verlangte „Verhalten“ zu allen geschichtspolitischen, zu allen subjektiven DDR-Narrativen ist eine Metaebene, die noch nicht einmal im Abitur erreicht wird. Das zeigen Berichte zu Abiturprüfungen.

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