Lesetipp: Antisemitismus in der DDR und die Folgen

Gepostet am Aktualisiert am

Aus einer Tagung hervorgegangen ist:

Andreas H. Apelt/Maria Hufenreuter (Hrsg.), Antisemitismus in der DDR und die Folgen. Mitteldeutscher Verlag  2016

Abgedruckt sind diese Referate und jeweils die Podiumsdiskussion dazu:

  • Marxismus-Leninismus und Antisemitismus
  • Der Antifaschismus-Mythos der DDR
  • Die SED-Geschichtspolitik und ihre Folgen im Alltag
  • Erinnerungskultur in der DDR am Beispiel von Anna Seghers
  • Antisemitismus im Links- und Rechtsextremismus im Vergleich

Gelesen habe ich bisher daraus den Text von Jochen Staadt. Er gibt einen ausgezeichneten Überblick über die SED-Geschichtspolitik. Abgesehen vom Erbe des stalinistischen Antisemitismus ist wohl die Parteinahme für die Araber in Palästina der Hauptgrund, warum der Holocaust in der DDR verschwiegen wurde. Für Israel und die Juden durfte es nicht die geringste Sympathie geben. (Selbstverständlich ist nicht alles neu und unbekannt. Das eine oder andere wurde schon im Blog genannt. Siehe u. a. hier!) Der Regisseur Konrad Weiß erzählt im Plenum davon, wie schwer ihm das Drehen von Filmen gemacht wurde, die einen Bezug zu Israel hatten. SED-Funktionäre, die Juden waren, verschwiegen dies.

Bei „Antisemitismus im Links- und Rechtsextremismus im Vergleich“, das ich quergelesen habe, scheint das Problem auf, dass linker Israelhass, Judenhass und Antijudaismus oft nicht säuberlich getrennt werden können und daher linke Positionen nicht unter Antisemitismus subsumiert werden. Bis auf Einzelfälle.

Wer zusammen mit Islamisten in Berlin dafür demonstriert, dass Israel von der Landkarte verschwindet, ist definitionsgemäß noch lange kein Antisemit, sondern Antiimperialist, der Partei für die angeblich unterdrückten Palästinenser ergreift. Und wer bei der Gaza-Flotille mitreiste, war nicht des Arabischen mächtig und hat deswegen die „Tod den Juden“- Gesänge nicht verstanden. Der jüdische Soziologe und Israelhasser Noam Chomsky darf nicht fehlen. Der ist für mich sehr unglaubwürdig. Warum schaut er bei Israel so genau hin? In Kambodscha hat er glatt den millionenfachen Mord der Roten Khmer übersehen.

So richtig antisemitisch sind halt doch nur die Rechtsextremisten, bei Pegida und AfD kann es ja noch werden. (Dass in der AfD jetzt ein Antisemit ins Rampenlicht geriet, der vor seinem AfD-Beitritt Kommunist war, kann man sicher zum Einzelfall erklären. Oder ist der erst in der AfD zum Antisemiten geworden?)

Wie heißt es bei Morgenstern: Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

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Ein Kommentar zu „Lesetipp: Antisemitismus in der DDR und die Folgen

    […] (Siehe Jochen Staadt,Die SED-Geschichtspolitik und ihre Folgen im Alltag, in: Antisemitismus in der DDR und die Folgen, hrsg. v. Andreas H. Apelt und Maria Hufenreuter, Halle 2016, pp 99 ff) […]

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