Grüne Doppelmoral

Gepostet am Aktualisiert am

Der Europarc ist ein Gewerbegebiet auf der ehemaligen DDR-Grenzübergangsstelle Drewitz. Er ist optimal gelegen, direkt an der Autobahn A115, vor den Toren Berlins. Seine Expansion verläuft langsam, wenn man sie mit den Gewerbegebieten etwa rund um Frankfurt am Main vergleicht. Jedesmal, wenn ich dort herumfahre, stehen da Kräne und entstehen neue Gebäude. Aber der Europarc hat sich langsam und stetig entwickelt. Er bietet demnächst 5.000 Arbeitsplätze und hat sehr gute Adressen, u. a. dhl, Porsche, Ebay.

Ein DDR-Grenzwachtturm steht noch. Er ist ein von einem Verein betriebenes kleines Museum geworden. Jahrelang standen wir hier im Stau der Grenzkontrollen. Und immer war es die Nachbarspur, in der es schneller voranging.

Ein großer Nachteil des Gewerbegebietes ist die suboptimale Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Zwar verläuft die Trasse der Stammbahn, auf der die S-Bahn von Berlin-Zehlendorf nach Potsdam fuhr, direkt vorbei, aber diese Strecke war nach dem Mauerbau unterbrochen. Bis heute, 26 Jahre nach dem Fall der Mauer, ist die Wiedereröffnung heiß umstritten. Die Anwohner haben sich inzwischen an die ausbleibenden S-Bahn-Geräusche gewöhnt, andere glauben fest daran, dass hier demnächst Güterzüge vorbeidonnern würden. Im Berliner Senat war man bisher eher zurückhaltend mit der Verlängerung der S-Bahnen in den Umland-Speckgürtel. Bei der Stammbahn wird ins Feld geführt, dass sie sich nicht rechnen würde.

Nun gibt es quer durch den Düppeler Forst eine Straße, über die es 2.400 Meter vom Europarc zum S-Bahnhof Wannsee sind. Diese Straße ist auf der Berliner Seite für Kfz-Verkehr gesperrt, nur Radfahrer und Fußgänger dürfen sich dort fortbewegen. Trotz aller Initiativen bis hin zur Brandenburger Landesregierung bleibt es beim Nein. Auch kein Elektrobus darf auf der Straße fahren. Die PNN zitieren eine grüne Berliner Bezirksstadträtin und einen grünen Gemeinderat der zuständigen brandenburgischen Gemeinde Kleinmachnow. Es müssten zu viele Bäume gefällt werden. Warum noch viele Bäume gefällt werden müssen, erschließt sich mir nicht, da die Trasse als Straße ausgebaut ist. Der grüne Kleinmachnower findet, die Strecke sei der attraktivste Radweg der Umgebung und empfiehlt – was wohl? – den Umstieg der Arbeitnehmer auf das Fahrrad.

Außerdem gäbe es eine Busverbindung über die Autobahn. Der Bus benötige gerade einmal 7 Minuten, sagt die grüne Politikerin. Ich weiß nicht, ob sie je diesen Bus genutzt hat. Auch ohne einen Stau auf der A115 brauchte mein Bus bei regulärer, ungestörter Fahrt beinahe doppelt so lange, 13 Minuten.

Was mich bei den Grünen irritiert, ist, dass andererseits Parteifreunde bereit sind, für das grüne Lieblingsprojekt, die sündhaft teure Energiewende, ohne weiteres fußballfeldgroße Waldflächen allein für ein(!) Windrad zu opfern, etwa die grüne Regierungspräsidentin von Südhessen im Odenwald oder der grüne Oberbürgermeister von Tübingen.

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