Grundrecht auf gleichen Lohn?

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Das Lohngleichheitsgesetz ist auf den Weg gebracht worden. Im linken Berliner Tagesspiegel jubelt die Kolumnistin, dass damit endlich das Grundrecht auf geschlechtsneutrale Bezahlung realisiert werde. Sie verwechselt, wie das oft geschieht, gleiches Recht mit Gleichheit. Im weiteren Verlauf ihrer Ausarbeitung kommen ihr dann zwar Zweifel, ob ungleiche Bezahlung per Gesetz verhindert werden kann. Denn auch sie weiß, dass Frauen öfter halbtags arbeiten, eher in schlechter bezahlten Sozialberufen als in der gut bezahlten Chemie- oder Automobilbranche arbeiten. Die sich daraus ergebenden Unterschiede kann man nicht per Gesetz einebnen.

Dabei ist die geschlechtsbezogene Lohnlücke, neudeutsch: Gender Pay Gap, nicht so eindeutig, wie es von der Genderlobby dargestellt wird.

Die „Wirtschaftswoche“ (online, 19.3.16) zeigt an einem wenn auch drastischen Beispiel, wie „wissenschaftlich“ die Lohnlücke berechnet wird:
„Dieter Zetsche, Diplomingenieur und Daimler-Chef verdiente letztes Jahr 13,2 Millionen Euro brutto.
Ein fiktiver Bauingenieur mit Masterabschluss, seit einem Jahr im Beruf, verdiente 49.100 Euro.
und ein ebenfalls fiktiver Müllwerker (Realschulabschluss plus dreijährige Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft), seit sieben Jahren bei einer privaten Abfallentsorgungsfirma tätig, verdiente 36.000 Euro brutto
Demgegenüber stehen:
Kathrin Menges, ehemalige Lehrerin, heute Personalvorstand bei Henkel mit einem Bruttojahreseinkommen von 4,5 Millionen Euro.
Eine fiktive Einzelhandelskauffrau, die, seitdem die Kinder alt genug für den Kindergarten waren, Teilzeit in einer Drogerie arbeitet und im Jahr 15.840 Euro brutto bekommt.
Die fiktive Sozialpädagogin mit Bachelorabschluss, die frisch von der Uni kommt und in einer Fachklinik 23.112 Euro brutto im Jahr verdient
Addiert man diese Jahresbruttogehälter und teilt sie durch die Anzahl der Frauen, kommt man zum Ergebnis, dass die durchschnittliche berufstätige Frau im Jahr 1,5 Millionen Euro brutto verdient. Macht man das Gleiche bei den Beispielmännern, kommt man auf ein durchschnittliches Bruttojahresgehalt von rund 4,4 Millionen Euro. Das würde so eigentlich niemand rechnen, sagt der Verstand. Das Statistische Bundesamt macht es (so) – allerdings mit den Gehältern von 42,6 Millionen berufstätigen Männern und Frauen, wobei die Frauen mit 17,7 Millionen den deutlich geringeren Anteil stellen. Bei dieser Rechnung kommt das Statistische Bundesamt auf eine Lohndifferenz von 21,6 %. Seit gut 15 Jahren verändert sich dieser Wert kaum.“

Jetzt hat die Personalberater-Firma Korn Ferry in 33 Staaten die Daten von 8,5 Millionen Werktätigen ausgewertet. Je genauer man nachschaut, desto geringer wird die Lohnlücke:

Wenn man, wie das Statistische Bundesamt es tut, die Durchschnittsgehälter vergleicht, beträgt der angebliche Pay Gap in Deutschland 15,1 % (Bundesamt: 21%, bei gleicher Hierarchieebene 3,6%, bei gleicher Funktion im gleichen Unternehmen 3,0%.

(nach FAZ v. 8.10. 16, p 28: „Wie viel Frauen weniger verdienen als Männer“ von Tillmann Neuscheler und Henning Peitsmeier)

Wahrscheinlich müsste man die Ausgangsdaten der Korn-Ferry-Studie genauer ansehen. Denn Russland zum Beispiel hat beim (wenig aussagekräftigen) Vergleich der Durchschnittsgehälter einen vergleichsweise hohen Unterschied zwischen Männern und Frauen, bei der gleichen Hierarchieebene ist er sogar doppelt so hoch wie in Deutschland, innerhalb einer Firma beträgt er aber nur 0,1 %. Sind da international nicht vergleichbare Daten eingeflossen oder sind es Modellrechnungen, die die Wirklichkeit nicht abbilden? (Unterschiede bei internationalen Reichstumsstudien vergleichen unterschiedlich zustande gekommene Daten. In Deutschland werden Rentenansprüche z. B. aus dem Vermögen herausgerechnet, in Italien gehören sie dazu.

Ob per Gesetz jetzt gleicher Lohn erzwungen werden kann, bleibt unklar. Auf jeden Fall kommt auf die Firmen (ab 200 Beschäftigten) erneut – wie beim Mindestlohngesetz – erheblicher bürokratischer Aufwand hinzu: Berichtspflichten, Zertifizierungspflichten, auf Verlangen einer Arbeitnehmerin der Nachweis der Bezahlung in fünf vergleichbaren Tätigkeiten. Hat Bundeswirtschaftsminister Gabriel nicht kürzlich verkündet, er würde für Bürokratieabbau sorgen wollen?

Dass Betriebsräte, Gleichstellungs- und Frauenbeauftragte schon jetzt weitgehende Rechte auf Bericht und Transparenz haben, spielt keine Rolle.

Wie wird das zukünftig gehandhabt werden, wenn zwei Firmen der gleichen Branche auf Grund unterschiedlicher Gewinnsituation unterschiedliche Gehälter zahlen? (Was auch bei Tarifverträgen zeitweise möglich ist.) Gibt es in jeder Firma 5 vergleichbare Jobs? Wie sollen die Daten anonym bleiben, wie es das Gesetz verlangt? Darf es sein, dass von fünf Verkäufer/-innen in einer Schuh-Filialkette die Verkäuferin mit Englischkenntnissen mehr verdient, als ihr nicht englisch sprechender Kollege? Was heißt gleichwertige Arbeit? Gibt es Listen für berücksichtigungsfähige Zusatzqualifikationen?

Frauenministerin Schwesig könnte doch Anleihen bei der DDR machen. Sie findet deren Kita-Erziehung ja auch vorbildlich. Warum also kein staatlich festgesetzter Einheitslohn? Das wäre Bürokratieabbau vom Feinsten.

Nachtrag: Ich lese gerade, dass nur 11 (elf) % der Sendeminuten in öffentlich-rechtlichen Sendern von weiblichen Regisseuren produziert werden. Da wäre noch viel zu tun.

Nachtrag: Ein „Idiotentest“ für Gleichheitsfanatiker

Nachtrag Januar 2017: Und nicht zuletzt eine bescheidene Frage: Was haben die Gewerkschaften eigentlich getan, um die (angebliche) Lohndiskriminierung von Arbeitnehmerinnen zu verhindern?

Kann es sein, dass sie, deren Aufgabe es doch ist, für gute Bezahlung zu kämpfen, das Problem nie erkannt haben? Oder wissen Gewerkschafter*innen und ihre wissenschaftlichen Institute, dass an dem Gender Pay Gap nicht viel dran ist?

Die letztlich verbleibende geschlechtsabhängige Einkommensdifferenz wird dadurch  erklärt, dass mehr Frauen als Männer eher geringer bezahlte Berufe wählen und eher kürzer in diesen Berufen tätig sind. Man könnte also mit Fug sagen, dass es kein Gender Pay Gap gibt, das durch staatliche Intervention beseitigt werden müsste. Allerdings läuft man dann Gefahr als rechter und/oder neoliberaler Gender-Pay-Gap-Leugner etikettiert zu werden.

 

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Ein Kommentar zu „Grundrecht auf gleichen Lohn?

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