Freiburg benennt Straßen um

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Nein, nicht Freiberg in Sachsen, sondern Freiburg im Breisgau!

Geändert oder ergänzt werden aber jetzt auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung Straßennamen in Freiburg im Breisgau. Dort sollen Namen von Nationalsozialisten, Antisemiten und Nationalisten getilgt werden. Bei weniger Belasteten soll eine ergänzende Information unter dem Straßenschild angebracht werden.

Manche Umbenennungen erfolgen nicht zu Unrecht. Aber muss man das Kind mit dem Dade ausschütten?

Umbenannt werden u. a. die Hindenburgstraße und der Martin-Heidegger-Weg: Heidegger war Philosoph und Sympathisant der Nationalsozialisten. Aus Angst, dass Neonazis eine nach ihm benannte Straße zum Wallfahrtsort machen würden, war nur ein Fußweg nach ihm benannt worden.

Diese Erläuterungen soll es bei weniger stark belasteten Personen geben: Arndtstraße: Ernst Moritz Arndt war Nationalist, Judenfeind und Frankreichhasser.

Fichtestraße: Johann Gottlieb Fichte war „nationalistischer Philosoph und erklärter Gegner Frankreichs“.

Freytagstraße: Gustav Freytag „verbreitete antijüdische und antipolnische Stereotypen“.

Körnerstraße: Carl Theodor Körner war „patriotischer Dichter und Frankreichgegner“.

Die komplette Liste hier!

Ich finde im Blog Science Files einen Beitrag, in dem noch sehr viel genauer hingeschaut wird. Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man lachen über den Reinigungsakt einer Untersuchungskommission, in der Historiker/-innen(!) sitzen.

(Eingefügt am 20.1.17:) Unter den Nazis und den Kommunisten hieß die Uni in Greifswald „Ernst-Moritz-Arndt-Universität“. Den Namen muss sie jetzt tilgen. Update: Wegen Formfehlern muss erneut entschieden werden. Eine FAZ-Mitarbeiterin ist erstaunt, dass in der Greifswalder Öffentlichkeit, die das doch gar nichts anginge, Kritik an der entscheidung der Uni geübt wird.

Wäre die Umbenennungsaktion ein Vorbild für die DDR-Straßennamen in Ostdeutschland?

Die „Wende“ fand auch bei Straßennamen nicht immer statt. Zuhauf gibt es die Pieck-,  Thälmann-, Liebknecht- und Rosa-Luxemburg-Straßen und die unsäglichen „Genitiv-Straßen“ des Friedens, der Jugend, der Republik, der Einheit (von SPD und KPD!), der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft (Doch, die gibt es noch! Meist als „Straße der DSF“). Irgendwo auf dem Land fand ich eine Straße der MTS, der Maschinen-Traktoren-Station. Das waren Zentren, die die Technik vorhielten, die man in der Landwirtschaft braucht, z. B. Traktoren oder Mähdrescher. Sie waren die Stützpunkte des MfS auf dem Land. In den 50er Jahren wurden selbstständige Bauern dadurch geschädigt, dass ihm die MTS die Geräte-Ausleihe verweigerte.

TrebnitzDem Beispiel Freiburg folgend könnte es bei Thälmann z. B. heißen: War Stalinverehrer und Hochverräter. Er bekämpfte die Weimarer Republik militärisch.

Bei Rosa Luxemburg: Rief zum bewaffneten Widerstand gegen die Weimarer Republik auf, erklärte den Parlamentarismus zur Geisteskrankheit.

Freiburg allewege?:

  • Martin-Luther-Straßen? War ein Antisemit! Umbenennen!
  • Karl-Marx-Alleen? War, obwohl selbst Jude, Antisemit! (Siehe „Die Judenfrage“)

Update 8.3.17: Die infantilen Kampagnen von Studierendenräten breiten sich aus. Die Uni Halle/Wittenberg will den Namen des Antisemiten Luther loswerden.

Wird Potsdam Karl Marx tilgen? Die Karl-Marx-Straße? Die Wohnungsgenossenschaft Karl Marx eG?

Wäre es nicht konsequent, die Marx-Denkmäler abzureißen? Sollte man sich nicht an den Gepflogenheiten der KPdSU orientieren und in Ungnade gefallene Kader auch in Fotos  tilgen? Mit Photoshop geht das heute besser als in den 30er Jahren, wo gelegentlich ein Fuß oder ein Arm zu viel auf dem retuschierten Bild übrig geblieben war. auch erschießen muss man die Verfemten heute nicht mehr. Eine Hashtag-Kampgne reicht völlig aus

In Potsdam befürchte ich, wird man sich dem verweigern. Hier lehnte die Stadtverordentenversammlung sogar den vergleichsweise bescheidenen Antrag ab, den Platz der Einheit (gemeint ist damit der Zusammenschluss von KPD und SPD zur SED 1946) in „Platz der Deutschen Einheit“ umzubenennen.

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Ein Kommentar zu „Freiburg benennt Straßen um

    […] Über die Untersuchung von Freiburger Straßennamen auf rassistische, nationalistische, antisemitische, antipolnische Geehrte hatte ich hingewiesen. […]

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