Was fehlt in ostdeutschen Museen? Die Zeit des Hitler-Faschismus!

Gepostet am Aktualisiert am

Darauf muss man erst einmal kommen! Jahrelang ging es darum, dass es nahezu keinem der zahlreichen ostdeutschen DDR-Museen (die beiden Berliner, vor allem das private DDR-Museum, ausgenommen) gelingt, die Repression im DDR-Alltag sichtbar zu machen. Sie sind eher Devotionaliensammlungen von Alltagsgegenständen.

Jetzt haben zwei Potsdamer Historiker/-innen entdeckt, dass die Nazizeit in ostdeutschen Museen ausgeblendet wäre. (PNN v. 21.9.16) Das ist leicht zu erklären:

In der DDR gab es, so das SED-Narrativ, keine Nazis. Die waren angeblich alle in Westdeutschland. Letzteres refaschisierte sich sogar, wie der ehemalige sozialistische Justizminister in Brandenburg, Dr. Schöneburg, weiß. Schöneburg, früher SED, später Linkspartei, hat allerdings an einer Festschrift zu Ehren eines verdienten Genossen, eines Professors für marxistische Rechtsphilosophie, mitgeschrieben. Der Genosse Professor war in seinem früheren Leben Nazi gewesen.

Dank der SED ist den Ostdeutschen die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus bis heute erspart geblieben. Während der Existenz der DDR war es nicht opportun, die ostdeutsche Nazizeit auszustellen. Seit der Friedlichen Revolution ging es darum, die SED-Diktatur angemessen zu zeigen. (Die beiden Potsdamer Geschichtswissenschaftler_innen sind der Meinung, auch in Westdeutschland müsste man sich mehr um die museale Bewältigung der Nazizeit bemühen.)

In vielen Heimatmuseen wird mit Fotos und Erinnerungsstücken der Zeit des DDR-Industriekombinats in der Heimatstadt gedacht, mehr aber nicht. Der Widerstand gegen das Erinnern an die sowjetischen Speziallager, die in den ehemaligen Nazi-KZs betrieben wurden, ist bis heute nicht überwunden, wenn man hört oder liest, wie der brandenburgische Stiftung-Gedenkstätten-Chef Prof. Dr. Morsch darüber denkt. Im Dokumentationszentrum Prora auf Rügen hatte man sich dagegen mit 90% der Ausstellungsfläche und 95% der museumspädagogischen Angebote auf die Zeit des Hitler-Faschismus (DDR-Redewendung) gestürzt. Drei Jahre haben die Nazis an dem gigantischen Bau am Rügener Ostseestrand gearbeitet, dann war´s vorbei mit dem Tausendjährigen Reich. Die 45 Jahre Nutzung durchs sowjetische Militär und die NVA, inklusive der „Bausoldaten“ (Kriegsdienstverweigerer), existierten in der Ausstellung bis vor kurzem so gut wie nicht. Diese beiden Fälle mag man als Einzelfälle sehen, weil ich keine flächendeckende Untersuchung gemacht habe. Ich sehe sie eher als symptomatisch.

Das Thema „DDR-Darstellung in ostdeutschen Museen“ ist noch lange nicht erledigt. vielleicht sollte man die eine Aufgabe ordentlich erledigen, bevor man die nächste angeht.

Zur Darstellung der DDR-Geschichte gehört auch: Der Umgang mit dem Nationalsozialismus in der DDR! Das ist ebenfalls eine Leerstelle!

(Die beiden Potsdamer Geschichtswissenschaftler_innen sind übrigens der Meinung, auch in Westdeutschland müsste man sich noch mehr um die museale Bewältigung der Nazizeit bemühen.)
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