Der Film und die DDR im Unterricht

Gepostet am Aktualisiert am

Der Vortragssaal der Gedenkstätte Lindenstraße in Potsdam war in der Nazizeit und in der Zeit als Stasi-Untersuchungsgefängnis Gerichtssaal. Am vergangenen Wochenende stand da ein großer Käfig. Er stellte die Zelle dar, in der Manfred Lenz nach seiner missglückten Flucht einsaß. Klaus Kordon erzählt in „Das Krokodil im Nacken“ den DDR-Teil seiner Biographie unter dem Namen Manfred Lenz. Die Schilderung seines Verhörs durch einen MfS-Vernehmer habe ich nie mehr vergessen. Zumindest darin war die DDR den Methoden der Nazis ebenbürtig.

Aufgeführt wurde in dem Käfig als Zweipersonenstück die Haft- und Vernehmungssituation, eingebettet waren Erinnerungen an Kindheit und Jugend, an die Mutter, eine kurze Besuchszeit der ebenfalls eingesperrten Ehefrau.

So oft es ging, habe ich Kordons „Krokodil“ als Schullektüre empfohlen; es gibt eine gekürzte Schulausgabe bei Beltz. Das Buch kann der Einstieg in eine Betrachtung der SED-Diktatur sein oder diese sogar zum Teil ersetzen, weil darin alles vorkommt, was einen Unrechtsstaat ausmacht, aber gleichzeitig verständlich wird, dass man in der DDR nicht von vornherein unglücklich aufwachsen oder leben muss. Fluchtgründe liegen oft, wie bei den Kordons, nicht in den materiellen Mangelsituationen, sondern in der geistigen Enge des Landes, der Verlogenheit der Propaganda, der fehlenden Freiheit des Denkens und des Reisens.

In dem leider für Schulzwecke mit 90 Minuten zu langen Stück konnten die menschenverachtenden Haftbedingungen und Verhörpraktiken eindringlich dargestellt werden.

Es war der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung und Kooperationspartnrn zu verdanken, dass das Stück ohne Eintrittskosten den Potsdamern gezeigt wurde. Der Saal war leider nur nicht ganz gefüllt.

Zur anschließenden Podiumsdiskussion blieb nur ein Dutzend Zuhörer.

Das Thema leuchtete mir im Zusammenhang mit dem Theaterstück nicht ganz ein. Es sollte um die Rolle des Films als Medium bei der Aufarbeitung der DDR gehen. Zwischendurch war auch vom Beitrag der Kunst überhaupt die Rede. Eröffnet wurde das Gespräch mit der Feststellung der Diskussionsleiterin, dass Schüler den Unterschied zwischen Diktatur und Demokratie nicht wüssten.

In der Einladung hieß es: Beteiligen Sie sich an der Diskussion! Bringen Sie Ihre Erfahrungen ein! Das geschah leider nicht. Wie man ändert, was die Diskussionsleiterin zu Beginn festgestellt hatte und ob der Film bzw. die Kunst überhaupt einen Beitrag dazu leisten können, diese Frage war am Schluss noch nicht einmal ansatzweise beantwortet.

Es war das erste Mal in zehn Jahren nach ca. 60 Veranstaltungen zur DDR, dass ich enttäuscht wurde.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s