Potsdamer Miniaturen

Gepostet am

(Zugegeben, ein etwas anspruchsvoller Titel.) Was ich bloß erzählen möchte:

  • Gestern gab es eine Demonstration linksextremer Wutbürger gegen einen Gottesdienst der Garnisonkirchengemeinde (Nagelkreuzgemeinde), der vom ZDF übertragen wurde. Ein solches öffentlichkeitswirksames Ereignis lassen sich die Eiferer nicht entgehen. Sie sehen im Wiederaufbau der Garnisonkirche oder auch nur des Turmes die erneute Machtergreifung des Faschismus, des Militarismus, der preußischen Junker. Ich bin zufällig mit dem Auto in der Nähe und sehe ein Endzwanzigerpärchen. Er mit Bart und Hipstermützchen, sie mit Hund. Sie verabschieden sich. Er läuft, den Rucksack geschultert, in Richtung Demonstranten, sie kehrt um und führt den Hund Gassi.
  • Am selben Tag sehe ich einen Amateur-Schmalfilm, der Impressionen vom Potsdam der 70er Jahre festhält, Parks, Seen, Sehenswürdigkeiten, die Wohnhäuser der sozialistischen Komplexwettbewerbe, ein Denkmal gegen des Faschismus und viel, viel Autoverkehr. Der Autoverkehr im Potsdam der 70er Jahr steht dem heutigen, zumindest ist er so gefilmt worden, in nichts nach. Ich äußere mich erstaunt darüber. „Na, ihr Wessis glaubt wohl, in der DDR konnte man nicht autofahren.“ Eigentlich wollte ich anmerken, dass mich nur erstaunt, dass die Sozialisten, die doch den Anspruch hatten, alles besser zu wissen und zu können als die Kapitalisten, keine Alternative zum massenhaften Individualverkehr entwickelten, sondern es dem Westen nachmachten.

 

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