Wie die Tagesschau berichtet

Gepostet am Aktualisiert am

Der Text erschien zuerst am 15.8.2016 in meinem Schulbibliotheks-Weblog „Basedow1764“. In dem Blog ging es mir auch um Informationskompetenz. D. h. darum, wie man lernt, sich zuverlässig zu informieren. Den Blog führe ich nicht weiter. Daher werde ich den einen oder anderen geeigneten Beitrag in „Ampelmaennchen und Todesschuesse“ übernehmen.

Über die Israelfeindschaft in weiten Teilen der Linkspartei habe ich schon berichtet. Jetzt kommt die Israelfeindschaft in den deutschen Medien hinzu. Und dazu kann ich nicht schweigen. Sicher kommt Biographisches dabei zum Vorschein. Ich gehörte zur ersten deutschen Studentengruppe, die  Israel 1966 besuchte. Mein besonderes Interesse gilt Israels Geschichte und Politik. Ich bin mir der Verantwortung, die mir als nachgeborenem Deutschen angesichts des deutschen Völkermordes an den europäischen Juden zufällt, bewusst.

Dunja Hayali vom ZDF hatte in ihrer Facebook-Adresse eine falsche, von der Hamas herausgegebene Landkarte Palästinas veröffentlicht. Nun ja, sie hat´s hinterher bedauert. Auch Journalistinnen, die uns  Zwangsgebührenzahler über das Weltgeschehen informieren wollen, können mal danebengreifen. Allerdings begründet sie die Löschung der Hamas-Karte auf ihrer Facebook-Seite damit, dass es von Lesern verlangt wurde.

Bei Zeitungsschlagzeilen, in denen es hieß, Israel hätte die Waffenruhe gebrochen und nach Gaza gefeuert, erfuhr man immerhin beim Weiterlesen im kleiner Gedruckten, dass es genau umgekehrt war.

Jetzt hat ARD-„Reporter“ Markus Rosch wieder zugeschlagen. Er hatte schon aus Gaza den bösartigen  Unfug berichtet, dass Israel daran schuld wäre, dass die Gullys in den Straßen überliefen. Jetzt „berichtet“ er in der Tagesschau über Wasserknappheit im Westjordanland.

Update 19.8.16: Der Bericht hat ein Nachspiel, da sich eine Bundestagsabgeordnete einschaltete.

Wie die Tagesschau-Redakteur*innen mit der nun doch aufgekommenen Kritik an ihrem Beitrag im Pallywood-Stil umgehen, macht alles noch schlimmer: Es wäre ein jüdischer Feiertag gewesen, man hätte keinen Israeli erreicht, aber die Zeit hätte gedrängt. In den drei Wochen, in denen der Bericht entstand, lag in der Tat ein(!) jüdischer Feiertag.

Streit ums Wasser gibt es im Westjordanland schon länger. Die palästinensischen Medien sahen keinen Handlungsbedarf, aber die deutsche Tagesschau. Was die deutschen Qualiätsjournalist*innen u. a. hätten berichten können: Die israelischen Siedler nutzen überwiegend geklärtes Abwasser für ihre Felder. Das lehnen die Palästinenser ab. Sie benutzen dafür lieber Trinkwasser.  Die Autonomiebehörde kommt ihrer Verpflichtung nach dem Oslo-Abkommen nicht nach und sorgt weder für die Instandhaltung von Wasserleitungen noch die Klärung des Abwassers.

In dem Gebiet, in dem ARD-Reporter Rosch die angeblich von den Israelis verursachte Wasserknappheit beklagt, werden 17 Freibäder gezählt. (Keines davon in einer israelischen Seidlung!)

Zur kontinuierlichen Verbesserung der Wasserversorgung im Westjordanland durch Israel seit 1967 siehe hier! Zu den Zahlenspielen um die Wasserversorgung siehe auch hier!

Wie die Tagesschau auf Kritik reagiert, berichtet Axel Feuerherdt auf Achgut:

„Was der gebührenfinanzierte Sender wider alle journalistischen Grundsätze versäumte (d. h. solide zu recherchieren; GS), erledigten schließlich andere, allen voran der Nahostkorrespondent Ulrich Sahm (in zwei ausführlichen Texten), die Bild-Journalistin Antje Schippmann sowie Gerd Buurmann und Michaela Engelmeier. Sie prüften die Behauptungen der Familie Osman, die im Film gewissermaßen als Hauptbelastungszeugin herangezogen wurde, und des Hydrogeologen Clemens Messerschmid, der Markus Rosch als Experte diente. Sie recherchierten Zahlen und Fakten zur Wasserversorgung im Westjordanland, gingen den Ursachen für die Wasserknappheit nach, holten israelische Stimmen ein und forschten nach dem Hintergrund von Herrn Messerschmid, der im ARD-Beitrag eher wie ein politischer Aktivist klang denn wie ein Fachmann.

Was sie herausfanden, gereicht der Tagesschau und den Tagesthemen zur Blamage. Schon die Aussage von Rosch und Glass, man habe wegen eines „hohen jüdischen Feiertags“ leider keine O-Töne israelischer Experten einholen können und schließlich „der Schnelligkeit den Vorrang gegeben“, mutet befremdlich an. Zum einen gab es in den drei Wochen vor der Ausstrahlung lediglich einen Fastentag, an dem Juden zwar keine Lederschuhe tragen und keinen Geschlechtsverkehr haben sollen, aber durchaus mit Journalisten sprechen dürfen. Zum anderen bestand bezüglich des Filmbeitrags ganz gewiss kein Anlass zur Hast – es handelte sich ja nicht um ein tagesaktuelles Thema, bei dem man notfalls auch ohne Äußerungen derjenigen Seite auskommt, die an den Pranger gestellt wird. „Wie kann seriöser, glaubhafter und unabhängiger Journalismus funktionieren, wenn man gründliche Recherche aus fragwürdigen Zeitgründen vernachlässigt?“, fragt Michaela Engelmeier deshalb völlig zu Recht…“ (zum Link)

Ich stelle mir zwei grundsätzliche Fragen:

Woher kommt die Israelfeindschaft in Deutschland?

Sind es „Hitlers KInder“, die erleichtert sind, dass jetzt die Israelis die neuen Nazis sind und nicht länger die Deutschen? So hat z. B. eine Linksparteipolitikerin Israel mit dem Dritten Reich verglichen.

Ist es möglich, dass nicht nur Altnazis und jungen rechten Männern und Frauen Uniformen, Zucht und Ordnung, Blut und Boden, Nation und Vaterland lieber sind als sexuelle, kulturelle und religiöse Vielfalt?

Ist es die Sensibilität der jüngeren Generationen für Diskriminierung, für Minderheiten, für Toleranz auch gegenüber Intoleranten, für Opfer jeglicher Art? Israel hat aus seinem palästinensischen Wüsten- und Steppengebiet etwas gemacht und einen wirtschaftlich erfolgreichen demokratischen Staat aufgebaut. Die Araber blieben bei jedem von ihnen angezettelten Versuch, die Israelis in Meer zu treiben, erfolglos. Opfer eben.

Den jammernden Palästinensern glauben unsere Journalist*innen unbesehen, weil man grundsätzlich MItleid mit Opfern hat. Und als solche können sich die korrupten palästinensischen Eliten und ihre Kommunikationsbeauftragten gut verkaufen.

Wo bleiben sender- und zeitungsinterne Prüfinstanzen?

Ich dachte immer, dass ein Chef vom Dienst oder eine Ressortleiterin dem jungen Kollegen, der jungen Kollegin einen Text zur Überarbeitung zurückgibt, einen Beitrag so nicht sendet. Das scheint es nicht (mehr) zu geben. Man haut etwas in die Tasten und in Echtzeit ist es online und ein paar Stunden später auch in der Druckausgabe oder das Video auf Sendung und in der Mediathek.

Verwunderlich ist die ausgeprägte Kritikbereitschaft unserer Medienschaffenden an Israel vielleicht auch deswegen nicht, weil es die Politik vormacht: EU-Parlamentspräsident Schulz schwadronierte in der Knesset ebenfalls über die angeblich diskriminierende Wasser-Politik Israels im Westjordanland und muss sich hinterher korrigieren. Im EU-Parlament jubeln er und die anwesenden Parlamentarier*innen Herrn Abbas zu, der gerade von jüdischer Brunnenvergiftung  gesprochen hat. Der Vorsitzende der britischen Sozialisten ist Hamasfan und, da hilft kein Drumherumreden wie bei Spiegel-Mitbesitzer Jakob Augstein, Antisemit. Im Bundestag sitzen linke Israelfeinde. Ihre Partei regiert in einigen Bundesländern (mit) und soll bald auch im Bund mitregieren, daran arbeiten Frau Nahles und andere Linke in der SPD. Wir haben erstmals seit 1949 in der Bundesrepublik eine Regierungspartei, in der Antisemitismus und Israelfeindschaft nicht nur latent, sondern evident sind.

Noch mehr Tagesschau gefällig?

Dass es bisher vor allem rechte und linke Putintrolle waren, die der Tagesschau zu Unrecht antirussische Lügen  (Ukraine-Russland-Krieg, Russlands Verhalten in Syrien) vorwerfen, kann mich nicht davon abbringen, von Tagesschau-Lügen über Israel zu sprechen.

Ein Beispiel, wie man auch über Palästina berichten kann, gibt CNN.

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2 Kommentare zu „Wie die Tagesschau berichtet

    […] Nachtrag zur israelfeindlichen Berichterstattung der ARD-Tagesschau hier ein überraschendes […]

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    Die Tagesschau lügt! | Basedow1764's Weblog sagte:
    29/08/2016 um 2:25 pm

    […] Der Text steht jetzt im Weblog „Ampelmaennchen und Todesschuesse“! […]

    Gefällt mir

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