Neues Bauen in Potsdam (und Berlin)

Gepostet am Aktualisiert am

Architekten und Linksextreme in Potsdam finden die hier gepflegten und gehegten Baustile Barock, Rokoko, Klassizismus, Jugendstil zu dominant. Für die Linken ist das alles „Barockfaschismus“. Die Architekten wollen lieber Neues bauen als zu renovieren.

Ich habe mich einmal in der Stadt umgesehen. Modernes Bauen ist sehr uniform. Quadratische oder schmale bis auf den Fußboden gezogene Fenster, quadratische Häuser. Überall gleich, egal, ob Studentenwohnheim, gehobene Eigentumswohnungen oder Bürogebäude. Anderswo sehen auch moderne Jugendstrafanstalten und Kasernen so aus.

Das Hauptmerkmal: Es gibt keine Fassaden mehr. Jede Seite des Gebäudewürfels sieht gleich aus: glatte Wand und endlose Fensterraster.

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Dann vielleicht doch lieber „Barockfaschismus?

20160422_100103

Nachtrag 1.9.16: Vor sechs Tagen schrieb ich – endlich – diesen Text. Jetzt lese ich mit Freude in der FAZ v. 1.9., dass der renommierte Frankfurter Architekt und Direktor des Instituts für Stadtbaukunst, Christoph Mäckler, auf einer ganzen Seite beklagt, dass Architekten keine schönen und bewohnbaren Städte mehr bauen könnten.

Das Problem der Gentrifizierung habe hier seine Ursache. Es gäbe keine attraktiven Straßen,  Plätze und Gebäude in Neubaugebieten. die alten Wohnviertel würden als „zeitgemäße Wohnumgebung von allerhöchster Qualität“ gesehen werden.

Link zu Mäckler-Beiträgen in der FAZ. (Der o.a. ist noch nicht enthalten.) Christoph Mäckler hat den Terminal 3 auf dem Frankfurter Flughafen entworfen, der 2022 eröffnet werden soll.

Nachtrag 10.10.16: Die Phase attraktiven Städtebaus scheint in Berlin schon lange vorbei zu sein. Sogar das, was nach der Wende als besonders gelungen bezeichnet wurde, hatte schon Schwächen. In das sterile, zugige Hochhausviertel am Potsdamer Platz zieht es mich überhaupt nicht. Am Hauptbahnhof fällt mein Blick immer gleich auf die von Mehdorn gekürzten östlichen Bahnsteigröhren. Die sind jetzt Stummel.

Immerhin beeindruckt das Gebäude noch. Aber schlimm ist, was inzwischen um den Bahnhof herum entstanden ist. Der Platz auf der Südseite, zur Spree hin ist von Neubauten gesäumt. einer so langweilig wie der andere. Von der Nordseite, hochtrabend Europaplatz genannt, reden wir lieber gar nicht.

 

        Fotos 1-3: Berlin Hbf, Foto 4 Potsdam Hbf

Fotos 5 und 6: Neubau BND, Berlin

In Potsdam schießen um die Innenstadt herum Neubaugebiete ins Kraut. Wenn man sie sieht, kann man verstehen, warum Viertel wie der Prenzlauer Berg oder das Frankfurter Nordend so attraktiv sind. Man sehe sich im Bornstedter Feld den Johan-Bouman-Platz an (Foto unten). Er soll, wenn es nach der Architektin geht, die gute Stube des Viertels werden:

Potsdam, Johan-Bouman-Platz

Wenn man sich umsieht, fühlt man sich, wie man sich in einer sibirschen Pionierstadt der Sowjetzeit gefühlt haben muss. Mag sein, wenn etwas Abstandsgrün gepflanzt worden ist und hinter den Fenstern Gardinen hängen, sieht es sicher nicht mehr ganz so schrecklich aus. Die „gute Stube“ ist von einem Parkplatz, der drei Viertel des Platzes einnimmt, durch eine sehr lange Holzbank abgetrennt, die die Attraktion des Platzes werden soll.

Bornstedter Feld

Bei Mäckler und auch bei dem Berliner Stadtplaner Hans Stimmann findet man aufschlussreiche Erklärungen dafür, warum man heute langweilig oder gar häßlich baut, u.a.:

  • Die Berliner Straßenzüge des ausgehenden 19. Jahrhunderts mit individuellen Fassaden von Häusern jeweils einzelner Bauherren gibt es nicht mehr. Es sind große Bauträgergesellschaften, die ganze Straßenzüge oder Stadtviertel mit ihren einheitlichen Quadern bebauen
  • Das Innere der Häuser wendet sich von der Straßenfront oder dem Stadtplatz ab: Dort sind die Klos, die Badezimmer und die Küchen
  • Architekten bauen Solitäre ohne Rücksicht auf die Bauten der Umgebung
Advertisements

3 Kommentare zu „Neues Bauen in Potsdam (und Berlin)

    […] Siehe auch hier! […]

    […] auch im Blog hier! Der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler bemängelt die moderne städtische […]

    […] Gegen modernen Städtebau habe ich nicht das Geringste. Wie viele Touren habe ich gemacht, nur um moderne Bauten bewundern zu können, in Rotterdam, in New York, in London, in Miami und anderswo. Ich mag Zeha Hadid, Rem Kohlhaas und Richard Meier. Ich finde aber auch manches misslungen, die Bauten am Potsdamer Platz in Berlin etwa, den langweiligen BER-Flughafenterminal, den fliegenden Ziegelstein des Entwurfs der neuen Berliner Zentralbibliothek, die Gegend um den Berliner Hauptbahnhof. […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s