Jagd und Macht

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So heißt eine sehr gelungene Ausstellung im Jagdschloss Groß-Schönebeck in der Schorfheide.

Biosphärenreservat_Schorfheide_-_Chorin.U.Feser.jpgWer sich für Jagd interessiert, schaut weniger auf Geschichte, auf Politik und auf Macht. Wer sich für letzteres interessiert, fragt sich, was das mit Jagd zu tun haben soll. Die Ausstellung macht es deutlich: Kaiser, Weimarer Reichskanzler, Nazigrößen, Sowjets und SED-Bonzen nutzten die Schorfheide als Jagdrevier der Mächtigen. Die Jagd wurde als Gelegenheit für Repräsentation genutzt, für Staatsbesuche, aber auch als Möglichkeit für Geheimgespräche.

Über die gemeinsame Liebe zur Jagd fanden manche Gesprächspartner leichter zusammen. Nichtjäger wie Hitler und Ulbricht hatten es schwer, neben Jagdfan Honecker oder Reichsjägermeister Göring zu bestehen.

Erstaunlich, dass die sozialdemokratischen Kanzler der Weimarer Republik und der Reichspräsident Ebert die Tradition aus dem Kaiserreich fortsetzten. Allerdings ließen die im Amt gebliebenen kaiserlichen Forstbeamten sie spüren, dass sie ungeliebte Emporkömmlinge waren. Da halfen auch fortschrittliche Jagd- und Naturschutzgesetze nicht.

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Eingang zu Carinhall

Göring baute seinen Jagdsitz Carinhall zu einem pompösen Schloss aus, in das er in ganz Europa, insbesondere den Juden geraubte Kunstschätze bringen ließ. Wäre der 8. Mai nicht dazwischengekommen, hätte er bis 1953 weiter gebaut. Das sahen die Umbaupläne vor.

Egal, wer regierte, aus dem nahen Berlin wurden tonnenweise Luxusgüter herangeschafft, denn neben dem Schießen war das Dinieren respektive Fressen und Saufen die Hauptsache.

Gänzlich aus dem Ruder lief das Jagdgeschehen erst nach 1945, als die Sowjets und dann die deutschen Kommunisten die Macht innehatten. Die Generäle gingen auf die Pirsch, die Sowjetarmee ließ in großem Umfang Holz einschlagen, sowjetische Soldaten wilderten (und ließen die einheimische Bevölkerung an der Beute teilhaben, wenn die mitgeholfen hatte). Honecker wurde 1951 angezeigt, weil er mit Scheinwerfern  Wild gejagt hatte. Das wurde nicht weiter verfolgt. Er schoss auch weibliches Rotwild, was die Förster nicht so gerne sahen.

Unter der SED-Herrschaft vervierfachte sich der Wildbestand. Er war schon immer, zum Leidwesen der Forstverwaltungen, höher als vertretbar gewesen, um auch ungeübten Schützen das Trophäensammeln leicht zu machen. Die Jagdmethoden wurden vereinfacht: Die Förster mussten Tage vor Jagdbeginn die Tiere an günstig gelegene Futterstellen bringen, an denen sie von den Jagdgenossen mühelos abgeknallt werden konnten.

Die SED-Propaganda verkündete: „Die Jagd gehört dem Volk“, die Führung machte auch entsprechende Gesetze. In der Realität wurden aber immer mehr Gebiete der Schorfheide zu Sperrgebieten für die SED-Bonzen. Honecker, Mittag und Sindermann bekamen überdies eigene Reviere. Honecker hatte englische Land-Rover und Mecedes-Benz als Jagdfahrzeuge. Für nächtliche Einsätze lagen im Wagen lichtstarke japanische Batteriescheinwerfer. Honecker, die Security und die Jadgehilfen waren durch – seinerzeit – voluminöse japanische Funksprechgeräte verbunden.

 

Die Ausstellungstafeln sind knapp und präzise. Die Dokumentation der Ausstellung ist in der hausinternen Mediathek zu sehen. Sie soll demnächst, so sagen die hilfsbereiten Damen im Informationszentrum, ins Internet gestellt werden.

Auch ein Buch „Jagd und Macht. Die Geschichte des Jagdreviers Schorfheide“ von Burghard Ciesl und Helmut Suter gibt es. Dem reich bebilderten Buch gelingt es über die schon beeindruckende Ausstellung hinaus, die Geschichte der Haupt- und Staatsaktionen mit der Schorfheide und der Jagd zu verbinden. Diplomaten aus aller Welt schätzten die Bankette und Kamingespräche in Görings Carinhall. Hier hat Ulbricht den Mauerbau gestartet, hier haben sich Breschnew und Honecker beim Jagen angefreundet. Ersterer half ihm, Ulbricht abzusägen. Hier, in Groß-Dölln, war der größte sowjetische Militärflughafen außerhalb der UdSSR. Hier waren zeitweise Atomraketen stationiert.

Es gibt noch ein Schmankerl: Eine kleine Ausstellung über den Boxweltmeister und leidenschaftlichen Jäger Max Schmeling.

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