Ernst Nolte ist gestorben

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„Ernst Nolte ist tot… Er gehörte der Neuen Rechten an.“ Das weiß die Tagesschau gestern Abend zu erzählen. Kein Satz mehr, kein Verweis auf das Informationsangebot der Redaktion im Internet. Wie schon beim Narrativ ihres Reporters über Israel kann man nur fassungslos den Kopf schütteln.

Der ehemalige Geschichts- und spätere Universitätslehrer hat zwei fulminante Bücher geschrieben: Die Habilitationsschrift „Der Faschismus in seiner Epoche“ (1963) und „Der europäische Bürgerkrieg 1917-1945“, 1987 (zusammen mit François Furet). Den Vergleich der Faschismen der 20er Jahre im ersteren Buch hatte bisher kein Historiker geleistet.

Den Faschismus begriff er als Antimarxismus. Er sah ihn als Reaktion auf den Siegeszug der Bolschewisten: „Dem Rassenkrieg der Nationalsozialisten ging der Klassenkrieg der Kommunisten voraus“ schrieb er.

Es ist in der Tat eine bedenkenswerte These. Wer die frühen Jahre der Weimarer Republik betrachtet, sieht die Begeisterung vieler Intellektueller und Künstler für die junge Sowjetunion. Es gab die kommunistischen Umsturzversuche in Berlin, Hamburg, im Ruhrgebiet, in Thüringen und Sachsen. (Ich bin darauf schon einmal im Blog eingegangen.) Lenin prahlte 1920, dass die Bourgeoisie in Europa vor dem Bolschewismus zittere. Stalin ließ für die Kollektivierung der Landwirtschaft zu Beginn der 30er Jahre Millionen polnischer und ukrainischer Bauern verhungern. 1937, auf dem Höhepunkt des Roten Terrors, ließ er fast eine Million Sowjetbürger erschießen, angeblich alles Konterrevolutionäre, Agenten, Kapitalisten, Rechtsabweichler. All das war schon zur selben Zeit in Mittel- und Westeuropa nicht unbekannt.

Aber die These überforderte die vorherrschende bundesdeutsche Geschichtswissenschaft. Nolte, der eher Geschichtsphilosoph als Geschichtsforscher war, erforschte den „kausalen Nexus“ zwischen Nationalsozialismus und Kommunismus auch selbst nicht weiter. Es gibt heute Historiker, die unbefangener damit umgehen, dass es einen Zusammenhang von Bolschewismus und Nationalsozialismus gibt.

Er schrieb den missverständlichen Satz, dass an Auschwitz, am Holocaust, noch nicht alles erforscht wäre. Obwohl er keinen Zweifel daran ließ, dass die Nazis das „Böse“ verkörperten, der Holocaust Kern der nationalsozialistischen Ideologie gewesen wäre, wurde es einsam um ihn. Der marxistische Sozialphilosoph Jürgen Habermas entfesselte einen Shitstorm gegen Nolte und angebliche Gesinnungsgenossen, den Historikerstreit, dem sich nahezu aller Historiker anschlossen, mit Ausnahme von Stürmer und Hildebrand. Der Historikerstreit fand seine Fortsetzung auf der Straße: Noltes Wagen wurde abgefackelt.

Zuflucht fand er zuletzt nur in rechten Publikationsorganen. Seine Publikationen fokussierten zunehmend den Staat Israel. Dessen Gründung mitten in muslimisch-arabischem Gebiet sah er kritisch („Ursünde“)

Dass die Tagesschau die Kampagne der Aktivist*innen der linken Antonio-Amadeu-Stiftung mitmacht, die unterschiedslos die CDU(!), Konservative, Rechtskonservative, Nationalisten und Rechtspopulisten zum rechtsextremen rechten Rand zählt, ist ein Skandal.

Ein sachlicher Film von 2013 über Ernst Nolte (via AchGut)

Der Film vergegenwärtigt noch einmal den Umgang mit Nolte. Da sind die linken Student*innen, die seinen „kausalen Nexus“ erklärt haben wollen, ihn dann aber ausbuhen, wenn er ihn erklärt. Die Mainstream-Historiker befürchten, dass er den Holocaust-Leugner*innen Auftrieb gäbe und sehen den bundesrepublikanischen Konsens über die Singularität der Naziverbrechen gefährdet. Prof. Christian Meier glaubt, Nolte mit einer kabarettistischen Einlage lächerlich machen zu können. Nolte pariert, indem er Meier informiert, dass die „putzigen“ Worte, über die sich Prof. Dr. Meier lustig macht,  von Friedrich Nietzsche stammen. (1:05:00)

Die Tageszeitung taz personalisierte 1988 schon so, wie sie es auch später mit Sarrazin machte („zuckende, lispelnde Fratze“): Nolte habe ein Gesicht wie ein SS-Obersturmbannführer, schrieb ihr Schreiberling damals.

 

 

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