„Gärtner führen keine Kriege“

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Pfaueninsel von Sacrow aus_17.jpg
Die Pfaueninsel von Sacrow aus gesehen

„Gärtner führen keine Kriege.“So lautet der schöne Titel einer Ausstellung im Schlösschen Sacrow in Potsdam. Gezeigt wird die brutale Grenzziehung rund um die Glienicker Brücke. Zerstört wurden dadurch Teile des Babelsberger Parks, des Neuen Gartens und der gesamte Park in Sacrow. Es wurden Postenwege geschaffen, Zäune und Mauern gebaut, Todesstreifen angelegt, freies Schussfeld geschaffen. Im Park am Schloss Sacrow wurden Zollhunde ausgebildet. Eine große Fläche wurde zubetoniert und eine Grenzübergangsstelle zum Üben eingerichtet. Der restliche Park diente Anwohnern als Deponie für ihre Gartenabfälle.

Die Wege, die Hügel und die Bepflanzungen, die die Gartenkünstler Lenné und Pückler geschaffen hatten, wurden in allen drei Parks zerstört. Die Sichtachsen zwischen den Schlössern Babelsberg, Glienicke, Marmorpalais, Pfaueninsel, vor allem die in Richtung Berlin (West) wuchsen zu.

In einer Dokumentation des rbb mit dem o.a. Titel wird gezeigt, wie die Parks mit den Grenzbefestigungen aussahen und wie es nach der Restaurierung aussah. Diese Restaurierung gelang in vergleichsweise kurzer Zeit. Ich schätze, weniger als zehn Jahre hat es gedauert. Eine erstaunliche Leistung der Beteiligten. Denn unter den Betonplatten in Sacrow war die historische Wegführung verschwunden, die Modellierung der Uferlandschaft im Park Babelsberg war platt gemacht worden. Gebäude im Grenzbereich, wie das Maschinenhaus in Babelsberg, die Meierei im neuen Garten verfielen, die Ruine der im Krieg zerstörten Matrosenstation am Jungfernsee wurde abgetragen, die Borkenküche abgerissen. Nach Schließung der Grenze und Mauerbau 1961 war das Potsdamer Havel-Schwimmbad in neu-Fahrland nicht mehr für die Bewohner zugänglich, weil es im Grenzgebiet lag. Als Ersatz wurde ein Teil des Babelsberger Parks öffentliche Badestelle. Das führt bis heute zu Problemen, weil die Schlösserstiftung darüber klagt, das auch im Umfeld gebadet wird und dort das Ufer beschädigt und vermüllt wird.

Es war eigentlich nicht zu erwarten, dass man die Schäden kurzfristig oder sogar dauerhaft beseitigen könnte.

Jetzt gibt es dazu die Ausstellung in Sacrow vom 16.7. bis 13.11.16 (vorübergehender Link zur Schlösserstiftung) und die TV-Dokumentation des rbb. Gartendirektoren und -kuratoren der DDR-Zeit berichten, manchmal mit brechender Stimme, wie ihre Parks zur scharf bewachten Grenze wurden. Kleine Triumphe waren ihnen in der großen Katastrophe vergönnt: Als sie aufgefordert wurden, von einem Sturm beschädigte Bäume vor dem Grenzzaun zu beseitigen, fällten sie so, dass plötzlich wieder eine Sichtachse vom neuen Garten zur West-Berliner Pfaueninsel entstand. Als sich UNO-Generalsekretär Waldheim nach einer Übernachtung im Interhotel Cecilienhof beschwerte, dass er von seiner Suite auf die hässliche Grenzbefestigung blicken musste, wurde 1988 hinter dem Hotel ein sechs Meter hoher Maschendrahtzaun errichtet, den die Parkgärtner begrünen sollten. Ihr stiller Triumph: Da der Todesstreifen jahrelang großzügig mit Herbiziden  gespritzt worden war, wollte da nichts so recht wachsen.

Es gab vor zwei Jahren schon einmal Hinweistafeln auf die Wiederherstellung des Parks im ehemaligen Todesstreifen im Park Babelsberg.

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Ein Kommentar zu „„Gärtner führen keine Kriege“

    […] Wer den Park beim Ende der DDR gesehen hat, hätte sich nicht vorstellen können, dass die Gärtner den am Havelufer zur „modernen“ Grenze umgepflügten Park mit Betonwegen, Stacheldrahtzäunen, Scheinwerfern, freiem Schussfeld und den Kasernenbauten wieder herstellen könnten. (Siehe „Gärtner führen keine Kriege“!) […]

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