Beelitz-Heilstätten auf dem Baumkronenpfad besichtigen

Gepostet am Aktualisiert am

Wer auf der Autobahn A9 von Berlin nach Süden fährt, kommt recht bald an die Abfahrt Beelitz-Heilstätten.

Hier wurde 1902 eines der modernsten Krankenhäuser Europas gebaut, die Lungenheilstätte Beelitz. Die einzelnen Gebäude der riesigen Anlage liegen in einem Waldgelände, was gute Luft garantiert: Kliniken, Sanatorium für Männer, Sanatorium für Frauen, Liegehallen, Kraftwerk, Bäckerei, Wäscherei. Nur äußerlich sehen die Gebäude wie englische Landhäuser aus. Sie wurden, der Zeit voraus, im Stahlskelettbau errichtet.

Die Tuberkulose (Schwindsucht) war gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu einer Epidemie geworden. Insbesondere in Berliner Arbeiterquartieren mit den vielen Hinterhöfen, den mangelhaften hygienischen Bedingungen und der unzureichenden Ernährung war sie ein Problem. Bauherr war die Landesversicherungsanstalt Berlin.

Bei der Schlacht um Berlin 1945 wurde die Anlage stark beschädigt. Bis 1994 diente sie als zentrales sowjetisches Militärkrankenhaus. Auch Erich Honecker hielt sich hier kurz auf, bevor ihn die Russen nach Moskau ausflogen. Im Ersten Weltkrieg war Adolf Hitler hier Patient gewesen.

Die Anlage zerfällt zusehends. In und auf den Gebäuden wachsen Sträucher und Bäume. Der morbide Charme des Geländes zieht Fotografen und Filmregisseure an, leider aber auch Vandalen, die zerstören, was bisher noch nicht verfallen war. In renovierte Randgebäude sind Privat-Kliniken und andere Einrichtungen eingezogen.

Ein erster Investor schaffte es nicht, das Gelände abzusperren. Jetzt hat ein Investorenehepaar einen Teil des Areals gekauft und einen Baumkronenpfad errichtet. Das Besondere daran ist, dass er an verfallenen Gebäuden vorbeiführt. Die Geschichte der Lungenheilstätten wird also einbezogen. Die Gebäude werden gesichert, Informationstafeln aufgestellt, Wege angelegt und die Wildnis gestutzt. Es gibt Führungen.

Den Investoren ist Erfolg zu wünschen. Sie betonen, dass sie keine Fördermittel erhielten, weder von der Gemeinde, noch vom Kreis, noch vom Land. Sie hatten sogar die Auflage, an der Autobahnabfahrt einen Verkehrskreisel zu bauen, um den zu erwartenden Verkehr zu ihrem Parkplatz zu kanalisieren.

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