Beginnt Russland an Oder und Neiße?

Gepostet am Aktualisiert am

Gestern Abend sprach man in der 20-Uhr-Tagesschau (wieder) einmal von Osteuropa, als Ostmitteleuropa gemeint war. Es ging um die NATO-Konferenz im  – ostmitteleuropäischen – Polen und die Stationierung von einigen NATO-Soldaten in „Osteuropa“. Es läuft einem der kalte Schauer über den Rücken, wenn man einmal in der Schule gelernt hat, dass mit Osteuropa die Sowjetunion bzw. Russland gemeint ist.

Nun könnte man einwenden, dass in Zeiten des Kalten Krieges doch vom Ostblock die Rede war, und der reichte von Marienborn an der Zonengrenze bis Wladiwostok. Politisch wurde die Bundesrepublik damals zu Westeuropa gezählt.

Nach dem Zerfall des Ostblocks könnte man eigentlich wieder zu den treffenderen geographischen Bezeichnungen zurückkehren: Es gibt ein Mitteleuropa, und zwar ein westliches (strikt geographisch gemeint!) und ein östliches. Zu Ostmitteleuropa zählen Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei, manchmal wird auch Rumänien mitgezählt. Der englische Begriff Central Europe sagt alles.

Wikipedia erklärt den Begriff „Ostmitteleuropa“ gut. Er beinhalte neben der Topographie auch das gemeinsame Klima sowie historische und religiöse Gemeinsamkeiten.

Es wäre angebracht, den korrekten Begriff Ostmitteleuropa zu verwenden, wenn man z. B. von Polen oder Ungarn spricht. Denn in unserer Geschichte und, wenn man Umfragen glauben darf, für eine Mehrheit der befragten heutigen Deutschen gibt es die Europäer im östlichen Zentraleuropa eigentlich gar nicht. (Man kann hier auch das nordeuropäische Baltikum und die Ukraine mitzählen.) Der nächste Nachbar im Osten scheint Russland zu sein. Die Völker und Staaten dazwischen zählen nicht. Deren Geringschätzung liest man schon bei Friedrich Engels. Im letzten Jahrhundert haben deutsche Polizei, SS und Wehrmacht in diesen Bloodlands gewütet. Die Völker dieses „Zwischeneuropa“ haben unter Deutschen und Russen gelitten, gegen Deutsche und Russen gekämpft; gegen Sowjets taten dies polnische und ukrainische Partisanen bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts. Für Balten sind nicht nur die deutsche Besatzung sondern auch die sowjetischen Deportationen und Hinrichtungen unvergessen.

Das wird von vielen Deutschen, darunter auch Angehörigen der politischen Elite, nicht zur Kenntnis genommen. Die kennen nur das, was Deutsche den Russen angetan haben und wollen die Freundschaft mit dem „Nachbarn“ Russland, egal wie dessen Innen- und Außenpolitik aussieht. Dass ostmitteleuropäische Staaten von der NATO vor Russland geschützt werden möchten, das möchte eine Mehrheit der Deutschen diesen verweigern.

Siehe auch Neue Zürcher Zeitung

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