Das Narrativ vom heldenhaften kommunistischen Widerstand in Buchenwald

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Ines Geipel beginnt ihre zusammen mit Joachim Walther verfasste Literaturgeschichte der Literatur zur DDR-Zeit: Gesperrte Ablage: Unterdrückte Literaturgeschichte in Ostdeutschland 1945-1989, Düsseldorf 2015, mit dem „Politmärchen“ von Bruno Apitz über die Machtergreifung von einigen Dutzend Kommunisten über die Buchenwald-Mithälftlinge.

Sie wurden neben der SS-Lagerleitung Herren über Leben und Tod. Vor allem liquidierten sie die, die ihrer Herrschaft gefährlich werden konnten, z. B. französische  und sowjetische Kommunisten, oder sorgten dafür, dass sie in die Todeslager geschafft wurden. Die amerikanischen Befreier waren irritiert, als sie „wohlgenährte, wie Geschäftsleute aussehende“ kommunistische Kapos antrafen. Einen Transport von 200 Kindern im September 1944 verhinderten sie nicht. Dagegen wird ihnen die Rettung eines jüdischen Jungen im Buch angedichtet.

Anfänglich wurden die Verbrechen dieser Kapos sogar untersucht, auch von der sowjetischen Militärverwaltung. Aber das Narrativ von den tapferen Buchenwald-Antifaschisten war längst zu einem Gründungsmythos der DDR geworden.

Bruno Apitz`ursprüngliches Manuskript war keineswegs so glatt geschliffen wie die später, nach Zensur, nicht zuletzt durch Ulbricht persönlich, veröffentlichte Version und der kurz nach der Einweihung des pompösen Buchenwald-Denkmals gedrehte Spielfilm und das Fernsehspiel.  Im 9. Schuljahr wurde „Nackt unter Wölfen“ zur Klassenlektüre. Auch wenn das ideologische Projekt der SED inzwischen untersucht ist, gelang es dem mdr mit seiner Neuverfilmung 2014 auch noch nicht, außer bei Kleinigkeiten, die „Kernlüge“ (Ines Geipel) freizulegen.

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