Das Geld der anderen

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Linken wird nachgesagt, dass sie eines besonders gut können: Das Geld anderer Leute ausgeben. In Potsdam zeigt sich das gerade wieder einmal.

Um den historischen Wiederaufbau der Innenstadt („Barockfaschismus“) zu verhindern und DDR-Gebäude zu retten (Hotel Mercure, Fachhochschule, Rechenzentrum), fordern die Linken, die Linksaußenpartei die Andere und deren Bürgerinitiative „Die Mitte neu denken“, aus dem Rechenzentrum ein Künstlerhaus zu machen (Schon geschehen!) und aus der alten Fachhochschule (FH) ein Kommunikations- und Begegnungszentrum (Entwurf: FH als Ergänzungsbau für die neue Stadtbibliothek, als Innovationszentrum, als Haus der Stadtgesellschaft sowie als Tagungs- und Kongresszentrum mit Café und Gaststätte).

Kunst- und Begegnungshäuser mit Café und Ausstellungsfläche sind beliebte städtebauliche Vorschläge in Potsdam. Aus der Politik ist zu hören, dass es schon 47 Kunst- und Begegnungszentren gäbe.

Ein Projekt kann noch so unausgegoren sein, 15.000 Unterschriften bekommt man in der starken linkspopulistischen Potsdamer Szene schnell.

Da ist es egal, ob nebendran gerade eine frisch renovierte Stadtbibliothek, eine Wissenschaftsetage und die VHS eingezogen sind. Erweiterungsbedarf hört sich immer gut an. Stadtgesellschaft und Innovation klingt auch progressiv.

Um Kosten geht es bei den Linken natürlich nicht. Die Gruppe der Steuerzahler wird es klaglos richten.

Die Renovierung des maroden Rechenzentrums würde mehr als 30 Millionen kosten. Da zweifelt man zuerst einmal die Kostenschätzung an und hat flugs eine neue Kontroverse – auf Twitter, auf Facebook, in Pressemitteilungen und in den Zeitungen: Hat die Stadt falsch gerechnet, warum macht die Stadt ihre Berechnung nicht transparent? Da muss ein unabhängiger Sachverständiger beauftragt werden.

Die Renovierung des Fachhochschulgebäudes dürfte noch mehr als 30 Millionen kosten. Eigentlich sollte die Fläche der FH an private Investoren verkauft werden, die die kleinteilige Vor-DDR-Bebauung wiederherstellen sollten. Die SED hatte das Gebäude über mehrere Gässchen und Quartiere gelegt. Nicht zuletzt, um die benachbarte Hofkirche, die Nikolaikirche zu verdecken und den Wiederaufbau des Stadtschlosses ein für allemal zu verhindern.

Ähnlich war es – erfolgreich – beim Schwimmbadneubau gelaufen: Die Stadt wollte das Gelände des alten, maroden Schwimmbades am Brauhausberg verkaufen und damit ein Bad im ehemaligen Bundesgartenschaugelände finanzieren. Das wurde verhindert. Der Wortführer dieser Initiative ist inzwischen Mitglied der Linkspartei.

Muss man die Abrisskosten dagegen rechnen? Was ist besser, ein marodes Rechenzentrum, das man nicht braucht, zu sanieren oder abzureißen? Allerdings hätte die Sanierung den „Vorteil“, dauerhaft ein Haus für Künstler und die Begegnung mit denselben zu gewährleisten und damit den Wiederaufbau der Garnisonkirche zu erschweren, weil das Rechenzentrum zum Teil auf deren Grundstück liegt.

Bei der Hochhausscheibe des Hotels diente ein Abriss dem harmonischeren Stadtbild. Der Potsdamer Milliardär Plattner baut dort kein Museum, was er ursprünglich zugesagt hatte. Die Abrisskosten von 30 Millionen € hatte er auch zahlen wollen. Den Vorschlag zog er angesichts lautstarker Sprechchöre der Parteimitglieder von Die Andere bei einer Kundgebung der Abrissbefürworter zurück.

Wie viel Urbanität die Stadt durch die Rekonstruktion das Mitte wieder gewinnt, zeigt sich an der neuen Havel-Promenade, die am Landtagsschloss beginnt.

Beim Hotel-Abriss sind die Befürworter inzwischen müde geworden. Es gibt Stimmen Prominenter, die sich mit dem Gedanken anfreunden, dass der Bau stehen bleibt. Der in Potsdam wohnende Bild-Chefredakteuer residierte für ein Wochenende in dem umstrittenen Bau. Er war sehr angetan und plädiert seitdem für seinen Erhalt. Allerdings hatte er an diesem Wochenende den Vorteil, den Bau nicht von außen sehen zu müssen.

Wenn es auf einen Kompromiss hinaus liefe – Abriss FH – Erhalt Hotel -, wäre es ein Zeichen einer aufgeklärten Stadtgesellschaft, eine Niederlage für Bürgerinitiativen, denen Kompromisse fremd sind.

Vielleicht kann im Hotel dann wieder die Bar ganz oben eröffnet werden. Der BND dürfte ja wohl kein Interesse an der Mitarbeit von Bardamen haben.

Mercure vom Schloss aus
Hotel Mercure vom Schloss aus gesehen
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