Die Aktivistin

Gepostet am Aktualisiert am

Bei Aktivist fällt mir spontan immer Traktorist ein. Also schaue ich einmal nach, ob Aktivismus etwas mit Sozialismus zu tun haben könnte. Aber als erstes steht in Wikipedia, dass der Alliierte Kontrollrat nach dem Zweiten Weltkrieg NS-belastete Personen so bezeichnete. In der DDR wurden dagegen „verdiente Aktivsten“ mit Orden ausgezeichnet. Heute gelten Aktivist/-innen als linke Gutmenschen. Rechte Aktivisten werden als solche im medialen Sprachgebrauch nicht mehr so bezeichnet.

Der wie schon in der DDR inflationäre Gebrauch des Wortes fällt mir bei der Lektüre von Tagesspiegel/PNN wieder besonders auf: Da wird ihnen, so beklagen sich Aktivist*innen der Zugang zum griechischen Flüchtlingslager Idomeni gesperrt. Man erinnert sich: Aktivisten waren es, die Flugblätter in mehreren Sprachen druckten, in denen die Flüchtlinge aufgefordert wurden, die mazedonische Grenze zu stürmen. Sie hatten auch die internationale Presse informiert. Die Journalisten standen dann Spalier, als Frauen und Kinder, geleitet von Aktivist_innen, durch einen Bach wateten. Auf einem Live-Ticker konnte man den Marsch verfolgen. Der Spiegel und Zeit-Online waren – anfänglich – begeistert.

Gleich dreimal kommt „Aktivistin“ in einem Artikel (PNN 26.5.16, p 12) über die Netzaktivistin Anke Domscheit-Berg vor. Sie will, nach Gastspielen bei den Grünen und den Piraten, jetzt ihre digitale Kompetenz (Die erwähnt sie in einem TV-Interview gleich zweimal) als parteilose Kandidatin in die Linkspartei einbringen. Mit Parteien wäre sie durch, deshalb wolle sie nicht Genossin werden, zumindest noch nicht gleich. Aber sie will der Linken zeigen, was eine gläserne Abgeordnete ist, sie will transparent sein. Dafür beansprucht sie einen Bundestagswahlkreis und den Listenplatz 3 in Brandenburg.

Die Brandenburger Sozialisten waren nicht begeistert, als ihr Bundestagsmitglied Wolfgang Neskovic die Fraktion verließ und sich als unabhängiger Kandidat in Cottbus zur Bundestagswahl stellte. Bei Domscheit-Berg geht es ja nun andersherum. Brandenburgs Linkspartei braucht eine Auffrischung. Das sah man zuletzt, als die Sozialisten sich schwer taten, einen Nachfolger für den zurück getretenen Justizminister zu finden.

Zur Geschichte des Wortes

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