Vor 30 Jahren: Wie Tschernobyl in der DDR (nicht) stattfand

Gepostet am Aktualisiert am

Der mdr berichtet

(Die Überschrift für dieses Posting stammt vom mdr)

Ich habe an dieses Ereignis zwei Erinnerungen:

Ich hatte mit Schülern Ende April 1976 eine Exkursion in die Gedenkstätte Weimar-Buchenwald gemacht. Wir fuhren ziemlich spät zurück, weil FDJ-Jugendtourist den Gedenkstättenbesuch nur als Paket mit Abendessen in Oberhof(!) verkaufte.

Als wir nach der Ausreise aus der DDR an den westdeutschen Grenzkontrollpunkt Herleshausen kamen, bot sich ein gespenstischer Anblick: Die Feuerwehr stand da mit mehreren Einsatzwagen. Scheinwerfer erleuchteten einen Teil der Straße taghell. Auf dem Boden lag eine Plastikplane. Jedes aus der DDR kommende Fahrzeug (nicht die Transitfahrer) fuhr einzeln auf die Plane. Feuerwehrmänner in weißen Schutzanzügen und Atemschutzmasken spritzten es mit Wasser ab. Dieses Wasser wurde aus der Plane abgepumpt, damit es nicht in die Kanalisation gelangte.

Wir saßen ahnungslos im Bus und ließen die Prozedur staunend und beklommen über uns ergehen. Der Zusammenhang mit der freigesetzten Radioaktivität wurde uns erst allmählich klar.

Am 1. Mai fuhr ich mit dem Rad auf den Großen Feldberg im Taunus. Die letzten Meter geht es ziemlich steil hinauf. Das war anstrengend und entsprechend schwer und tief habe ich geatmet.

Nicht nur in der DDR, auch im Westen wurde manches erst mit Verzug bekannt: Zu dem Zeitpunkt, als ich auf den Feldberg hinauf keuchte und dabei tief atmete, lag die Tschernobylwolke genau über dem Taunus. Das hatte uns niemand gesagt.

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