Vor 70 Jahren: Zwangsvereinigung KPD-SED

Gepostet am Aktualisiert am

Quelle: Wikipedia

Am 21./22. April 1946 wurde im Admiralspalast in Berlin-Mitte die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) aus der Taufe gehoben.

In Ostdeutschland erinnern zahlreiche Straßennamen daran: „Straße der Einheit“. In Potsdam sogar ein großer Innenstadtplatz: „Platz der Einheit“. (Dass Touristen bei diesem Wort an etwas anderes denken, ist nicht von Nachteil.)

Im Programm der Linkspartei, im Kapitel „Woher wir kommen, wer wir sind“, steht: „Die große Mehrheit der Mitglieder von KPD und SPD waren für diesen notwendigen Zusammenschluss.“

Bei einer Urabstimmung unter den SPD-Mitgliedern votierten im Westteil Berlins 82 Prozent dagegen. Im Ostteil waren die Wahllokale von der sowjetischen Kommandantur geschlossen worden.

Sozialdemokraten wurden bedroht, verhaftet, nach Moskau verschleppt und ermordet. Einige Jahre später gab es mehr ehemalige NSDAP-Mitglieder in der SED als ehemalige Sozialdemokraten.

Die Berliner Zeitung zum Thema

Die im Zeitungstext angesprochene Pressemitteilung der Sozialisten gibt es. Eine Entschuldigung bei den Opfern konnte ich nicht finden.

Es ist wie immer bei Kommunisten: Die Entscheidung war notwendig. Wir sind die Guten. Der Weg zum Kommunismus ist steinig. Kollateralschäden kommen vor. Oder wie marxistische Intellektuelle in der Vorlesung oder beim Glas Rotwein am Kamin zu sagen pflegen: „Die Vernunft hatte Fieber.“

Nachtrag 25.4.2017: Friedrich-Wilhelm Schlomann, Jurist und Publizist, ehemals Mitglied des Bundes Freiheitlicher Juristen und der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit, meldet Bedenken gegen die These von der Zwangsvereinigung an. In einer Rezension zu einem Tagungsband über die Vereinigung von KPD mit der SPD schreibt er, dass die Zahl von 82% Gegenstimmen bei der West-Berliner Urabstimmung der SPD-Mitglieder ein falsches Bild ergäbe. Dabei wäre es um eine sofortige Vereinigung gegangen. Grundsätzliche Bedenken gegen ein späteres Bündnis mit den Kommunisten wären erheblich geringer gewesen. Nur 23,4% der SPD-Mitglieder in West-Berlin lehnten jegliches Bündnis ab. Terror gegen Sozialdemokraten und Verhaftungen hätte es in der Hauptsache erst nach der Vereinigung gegeben.

Er nennt Wolfgang Leonhardt als Zeugen. Der habe echte Begeisterung unter den Delegierten des Vereinigungsparteitages wahrgenommen. (Bei den SPD- oder den KPD-Mitgliedern?). Schlomann selbst hat auf dem Vereinigungsparteitag in Mecklenburg-Vorpommern nur „begeisterte, fanatisch-optimistische Gesichter“ gesehen. Über 200.000 Westzonen-Sozialdemokraten wären bereit gewesen, in die neue SED einzutreten. allerdings zitiert er Leonhard unvollständig. Der erwähnt durchaus die Repressalien gegen Sozialdemokraten, die schon 1945 begonnen hätten.

Friedrich-Wilhelm Schlomann, Wirklich zwangsvereinigt?, in: der stacheldraht, Mitteilungsblatt der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft e. V., 3/2017, p 18.

Stephan Hilsberg, Mitgründer SDP, der Sozialdemokratischen Partei der DDR, im Oktober 1989 erinnert sich an das Foto vom Händedruck Grotewohls und Ulbrichts im Admiralspalast 1946. Sein Vortrag auf der o.a. Tagung hier.

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