Platzecks große Liebe: Russland

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Liebe macht blind, sagt der Volksmund. Man kann das jenseits zwischenmenschlicher Gefühle auch bei dem erkennen, was der ehemalige SPD-Vorsitzende und ehemalige Brandenburger Ministerpräsident Matthias Platzeck über Russland sagt. So kürzlich in einer Talkshow-Runde im Foyer der Wilhelmsgalerie, in einer Wohnzimmerkulisse, die das Erkennungszeichen dieser Show ist.

Platzeck hebt hervor, dass es bei der Krim-Annexion durch Russland, anders als beim Irak-Einmarsch der USA, keine Toten gab. Man müsse akzeptieren, dass Russland anders sei. Sanktionen hülfen nicht. Putin werde die Krim nicht herausrücken. Man müsse im Gespräch bleiben und nicht mit erhobenem Zeigefinger auf Putin zeigen, wie das die EU, die NATO, die Bundesregierung täten.

Angesichts des Kultstatus, den Platzeck in Brandenburg genießt, ein erstaunlich kritischer Bericht in der PNN: Worüber Platzeck nicht spräche: Das Leid der Menschen in der Ostukraine (Wo mindestens eine russische Division steht; GS) und die Unterdrückung und Verfolgung der Krimtataren (Durch Putin, nicht mehr durch Stalin; GS). Platzeck habe viel Applaus erhalten.

Update 22. Juni 2016: Russland-Lobbyist Platzeck hat sich wieder einmal zu Wort gemeldet. Er sieht gravierende Lücken in der deutschen Erinnerunnskultur. Der Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion wäre kein Gedenktag. Das müsse sich ändern.

Der Karikaturenzeichner des Tagesspiegels hat am selben Tag eine Zeichnung dazu veröffentlicht. (Beschreibung siehe Nachtrag in diesem Posting.)

In einem Online-Leserkommentar wird alles gesagt, was zu Platzecks Text zu sagen ist: „Ich muss keinem Russen dankbar sein und brauche erst recht keinen Denkanstoss von Herrn Platzeck. Ich bin 20 Jahre nach dem Kriegsende geboren und musste mit der von Moskaus Vasallen errichten Mauer leben. Für meine Freiheit habe ich mein Leben riskiert (bei meiner Flucht über die Grenze galt der Schiessbefehl).
Die Verbrechen der Wehrmacht, der SS, des SD usw. in der Sowjetunion, genau wie in den anderen von ihnen besetzten Ländern, sind umfangreich dokumentiert. Wer sich dafür interessiert, kann in sich in Büchern, Internet, Ausstellungen etc. informieren. Die Opferzahlen und die Leiden der Völker, die Nazideutschland mit Krieg überzogen hat, gehen mir persönlich schon nah.
In Russland hingegen wird die Sowjetunion vor allem auf die 4 Jahre des Großen Vaterländischen Krieges reduziert. Dieser Krieg dient als eine Art der Legimitation für alles was es davor, während und danach an Unrecht in der Sowjetunion gegeben hat. Die Unterdrückung, die Repression, die Millionen Toten der Stalinära, und dass dieser Staat“ letztendlich an seinen Widersprüchen gescheitert ist, wird dort wenig thematisiert.“ (Kommentar von Leser/Leserin Coremmo)

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