Der „Dilettant“ Bahr

Gepostet am Aktualisiert am

Der US-amerikanische Historiker Niall Ferguson schreibt an einer zweibändigen Kissinger-Biographie. Er hat Zugang zu Kissingers privatem Archiv. Aus Band 1, der am 15.4. erscheint, druckte Die Welt am 9.4.16, Literarische Welt p. 4, einen Auszug.

Egon Bahr trug Kissinger 1965 seine und Willy Brandts Pläne zur deutschen Wiedervereinigung vor: Austritt Westdeutschlands aus der NATO, keine ausländischen Truppen, keine Atomwaffen, gegenseitiger Beistand der vier Siegermächte im Falle einer Aggression durch das wiedervereinigte Deutschland, fünf Jahre umfangreiche westdeutsche Wirtschaftshilfe für die DDR, um die Kluft zwischen West und Ost auszugleichen. Danach Friedensvertrag BRD-DDR.

Kissinger war entsetzt.

Er  befürchtete, dass durch Bahrs Politik nicht die Wiedervereinigung gefördert, sondern das SED-Regime gefestigt würde. Er fragte Bahr, ob er wirklich wolle, dass die Sowjetunion auf Dauer ein Mitspracherecht im wiedervereinigten Deutschland haben würde. Im Gegensatz zu Bahr glaubte er nicht an eine friedliche UdSSR, sondern an eine expansive sowjetische Politik.

Was er, Bahr, machen würde, wenn die Sowjetunion doch Druck ausüben würde. Bahr entgegnete, dass man militärisch so lange aushalten müsste, bis die NATO den Deutschen zu Hilfe käme.

Besser konnte sich Kissinger mit Herbert Wehner, dem ehemaligen Kommunisten und Sowjethasser, verständigen. Wehner gab ihm bissige Charakterisierungen westdeutscher Politiker zur Kenntnis. Bahr war, laut Wehner, ein Dilettant.

 

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