SA- und SED-Methoden werden zur Kunstform

Gepostet am Aktualisiert am

Die kunstschaffende Truppe eines „Zentrums für politische Schönheit“ kopiert Methoden der SA und der SED-Bauernhilfe zur Zeit der Zwangskollektivierung: Einschüchterung durch Hausbesuche bei missliebigen Personen. So zuletzt bei Roger Köppel, dem Schweizer Politiker und Zeitungsherausgeber (Weltwoche).

Für den Schönheitsaktivisten Philipp Ruch ist Köppel ein Nazi. Deswegen rief er auf, ihn zu töten. Vorher sollten Aktivisten mit stinkenden Fischen zu seinem Privathaus ziehen. Auch die Kommunisten in der DDR zogen vor die Häuser von Bauern, die sich nicht zwangskollektivieren lassen wollten. In Deutschland haben linke und rechte Aktivisten schon öfters vor den Privatwohnungen von Menschen demonstriert, um sie einzuschüchtern.  Zuletzt rief die Zeit-Journalistin Mely Kiyak dazu auf, bei dem Neuköllner Ex-Bürgermeister Buschkowsky zu klingeln.

Für den Kunstschaffenden Ruch ist vor allem das Medienecho wichtig. In seinem Wikipedia-Artikel über das Schönheitszentrum weist er bei jeder aufgezählten Aktion auf das „breite Medienecho“ hin. Am Schluss steht die lange Liste der Zeitungsbeiträge und TV-Sendungen, in denen über seine politische Schönheit berichtet wurde. So wird Ruch bekannt, in Talkshows eingeladen und kann bei seinen Fans Geld für neue „Kunst“-Aktionen einsammeln.

Auch das Zürcher Theater, das die Aktion unterstützte, dann doch nicht unterstützte, dann doch wieder, braucht dringend Geld.

philipp ruch
Ruchsches Theaterplakat

Von Ruch-Anhänger/-inne/-n wird erklärt, der Aufruf, Köppel zu töten, falle unter die Kunstfreiheit, sei „performative Aktion“. Warum werden die rechten Musikbands mit ihren aggressiven Texten eigentlich verfolgt? Ist Kunst immer nur links?

Über den rechtskonservativen Roger Köppel lässt sich durchaus streiten. Dies geschieht auch in der Schweiz.

Köppel hat rigide Ansichten, z. B. zur Immigration. Ein Nazi ist er nicht. Er kann sich freuen: In der Schweiz ärgert man sich jetzt erst einmal nicht über ihn, sondern über die hirnlosen Aktionen des Kunstschaffenden Ruch. Der hat dennoch sein Ziel erreicht: Er wurde mit einem Schlag in der Schweiz bekannt und kann die Liste der über ihn berichtenden Medien erweitern.

Ein Merkmal der Ruch´schen Kunst ist, dass sie den Ereignissen hinterher läuft. Sie hängt sich immer an das, was schon längst Thema der Öffentlichkeit ist.

Kunst kommt von können. Christoph Schlingensief war ein Könner, Philipp Ruch ist es nicht. Er klaut allenfalls bei Schlingensief und anderen Künstlern. Schlingensief rief einmal dazu auf, Helmut Kohl zu töten. Das blieb als Kunstaktion erkennbar. Die Aktion Ruchs gegen den „gemeingefährlichen Straftäter“ Julius (Streicher) Klöppel war es nicht. Das war eine Aktion wie sie SA und SED auch gemacht hätten.

Klöppel hatte Frau und Kinder weggeschickt und die Polizei sperrte den Zugang zu seinem Privathaus vor dem Demonstrationszug. Man wollte nicht riskieren, dass ein mitlaufender Irrer Ruchs Forderung in die Tat umsetzte.

Möglich ist, dass Klöppels Partei, die Schweizerische Volkspartei, dem unter Besucherschwund leidenden Theater, das dank Dr. Ruch ein einziges Mal ein volles Haus hatte, die Subventionen entziehen lässt.

Renée Zeyer in der Schweiz am Sonntag

Ärgern hingegen dürfte sich der Künstler Ai Weiwei. Dass er Säulen am Gendarmenmarkt mit Schwimmwesten behängt und sich am Mittelmeerstrand dorthin legt, wo der Leichnam eines Flüchtlingskindes angeschwemmt wurde, wird nun weniger beachtet. Dabei wollte er auf die Flüchtlingskrise aufmerksam machen.

Nachtrag November 2017: Des Kunstunternehmers Ai neuestes Produkt ist ein Film über Geflüchtete. Diesmal nicht über Asylsuchende, die in Europa Schutz suchen, sondern über Palästinenser im Libanon, Syrien und vor allem in Gaza(!). Er meint nicht die Flüchtlinge, die Gaza wegen des Hamas-Terrors verlassen.

Man sieht im Film Ai Weiwei beim Trösten von jungen Frauen, wie er einem jungen Mann einem Boot hilft, und wie er sich von einem Bewohner eines Flüchtlingslagers die Haare schneiden lässt. Die Fluchtursache ist für Ai eindeutig: die Israelis.

Es gibt einen elitären Faschismus. Das sind Intellektuelle, die Demokratie, Parlamentarismus und das Bürgertum verachten. Ihre Ideale sind heldenhafter Kampf, die Überhöhung des Nationalen, Gewaltbereitschaft, wenn es um die „Reinigung“ des Volkes von liberalen, universalen Werten geht. Das ist im italienischen Faschismus deutlicher erkennbar, gab es aber auch im Nationalsozialismus. Der faschistische Führer ist der Volkstribun, der über dem bürgerlichen Recht und den Menschenrechten steht.

Ich sehe Berührungspunkte zu Ruchs Ideologie. Er hat in seiner Dissertation über das altgriechische Recht zum Töten, zur Blutrache geschrieben. Es scheint ihn zu faszinieren: Selbst zu entscheiden, wer getötet werden muss, über dem Recht zu stehen, ein Führer von eigenen Gnaden. Das ist mindestens faschistoid.

Advertisements

2 Kommentare zu „SA- und SED-Methoden werden zur Kunstform

    […] SA- und SED-Methoden werden zur Kunstform (Posting v. 23.3.16) […]

    Gefällt mir

    […] als ertrunkener Flüchtling am Mittelmeerstrand, der geltungsbedürftige promovierte Philosoph Philipp Ruch klaut Kreuze von Mauertoten und bringt sie an die Grenzmauern von Ceuta und Melilla. Er lässt […]

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s