Aber im Sport war die DDR Weltklasse

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Die Dokumentation „Unterstützende Mittel. Das Trauma des DDR-Sports“ zeigt, welches Verbrechen Ärzte und Trainer an Kindern und Jugendlichen begingen. Sie spritzten hoch dosiert Anabolika, anabole Steroide und Testosteron. Was sich in der Viehzucht bewährt hatte, half auch zur Leistungssteigerung bei Sportlern. Zwar wurde vor unerwünschten Nebenwirkungen, wie mehr Behaarung und tiefere Stimme bei Sportlerinnen, Leberkrebs, Hodenschrumpfung, Herz-Kreislauf-Beschwerden u. a. gewarnt, auch vor möglichen Schadensersatzklagen, aber das Doping unterlag strikter Geheimhaltung und unterstand dem MfS. Die Mittel wurden umbenannt oder versteckt, z. B. in Schokolade, verabreicht. Es wurden auch Mittel entwickelt, die den Nachweis von Doping verhinderten. Sportlerinnen mit tiefer Stimme durften keine Interviews mehr geben.

Trainer und Ärzte verteidigen sich im Film damit, dass man den Autoritäten und Kolleg/-innen vertraut habe, dass man sich nicht traute, etwas dagegen zu sagen und halt lieber mitschwamm. Unüberbietbar die Arroganz des Prof. Dr. Hans Gürtler, eines führenden DDR-Doping-Forschers.

Natürlich frage ich mich, wie ähnlich das im Westen war. Gab es auch ein staatliches, geheim gehaltenes Dopingprogramm? Waren die Sportler/-innen ahnungslos. Erhielten Zwölfjährige die Antibabypille, weil die leistungssteigernde Nebenwirkungen hatte?

Vorweg zu Gute halten kann man den „kapitalistischen“ Staaten, dass sie schlicht mehr Menschen hatten, aus denen sie Spitzensportler machen konnten. (Die Bundesrepublik hatte viermal so viele Einwohner wie die DDR.) Man musste nicht mit aller Gewalt aus einem kleinen Pool Geeigneter Spitzensportler züchten.

Nur eines erscheint mir gewiss: Wenn es sich um Naziärzte, Nazitrainer und Naziwissenschaftler handeln würde, wäre die Empörung riesig. Das Deutsche Ärzteblatt hingegen lobte 2006 über die Maße Prof. Dr. Gürtlers Buch über die vorbildliche und wegweisende DDR-Sportmedizin. Das Kapitel Doping könne man vielleicht ein wenig ergänzen, aber es beträfe sowieso nur einen kleinen Teil der DDR-Sportmedizin. So schreibt der Rezensent, der westdeutsche Prof. Dr. Herbert Löllgen, Raumfahrt- und Sportmediziner, Olympiabetreuer von Ruderern und Fünfkämpfern. Honi soit qui mal y pense.

Die Dokumentation steht auf Youtube.
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