Lesetipp: Die Planwirtschaft der DDR

Gepostet am Aktualisiert am

Planwirtschaft ist das am meisten vernachlässigte Thema bei der DDR-Aufarbeitung und beim Unterricht über die DDR.

Über andere Aspekte der SED-Diktatur redet man eher: Schule, Kita, Frauenemanzipation, Leseland DDR, billige Mieten und Antifaschismus. Das verlangt weniger Sachkenntnis und manche können so die Diktatur schönreden. Die DDR wird in der Erinnerung immer schöner, kuschliger und sozialer, als sie es je war.

Auch die Planwirtschaft inzwischen nicht allzu negativ gesehen. Petersen, Institut für Demoskopie Allensbach hat herausgefunden, dass das Image der Marktwirtschaft kaum besser als das der Planwirtschaft ist. 42% der Ostdeutschen glauben nicht, dass es ihnen in einer staatlich gelenkten Wirtschaft schlechter ginge als in einer Marktwirtschaft.

Das Unterrichtsthema Planwirtschaft ist schwierig. Man muss als Referenzsystem schon vorab die Funktionsweise der Marktwirtschaft kennen: die Rolle des Preises, die Funktion des Wettbewerbs, die Rolle des Staates, die Bedeutung des Unternehmers.

Dabei gäbe es genügend Beispiele: Es muss etwas falsch sein, wenn Brot als Viehfutter benutzt wird, weil es so billig. Oder wenn der LPG-Mitarbeiter den Broiler beim Metzger billiger einkauft, als die LPG für das Schlachthuhn erhält. Oder die Miete so billig ist, weil der Staat Bau, Renovierung und Modernisierung von Wohnungen finanziert. Er erhält aber keine Einkünfte aus Vermietung, sondern muss unaufhörlich Geld ausgeben.

Für die Betriebe gibt es keine Anreize, innovativ, ressourcen- oder umweltschonend zu produzieren. Sie liefern Stückzahlen, Abnahme ist garantiert, Konkurrenz gibt es nicht. Etwaige Gewinne aus dem Verkauf kassiert der Staat. Fabrikdirektoren entscheiden nicht über Investitionen, das macht die Planbürokratie

Die marxistische Produktionsweise ohne Wettbewerb und Kostenbewusstsein, aber mit zentraler Lenkung und Planung bis zum Schnürsenkel und der Zahnbürste bedingt einen gigantischen, teuren Staatsapparat, führt zu Korruption und Misswirtschaft.

Irgendwo habe ich dieses treffende Bild gelesen: Planwirtschaft ist so, wie wenn man einen Maikäfer zerlegt, dann versucht, seine Einzelteile wieder zusammenzufügen und sich wundert, dass er nicht mehr lebt.

Prof. André Steiner hat mit „Von Plan zu Plan“ eine Geschichte der DDR-Planwirtschaft geschrieben. Jetzt gibt es von ihm eine Darstellung, die wegen ihrer Kürze für die politische Bildung besonders gut geeignet ist: Die Planwirtschaft der DDR, von André Steiner, hrsg. von der Landeszentrale für politische Bildung, Thüringen, 2016

Siehe u. a. auch hier im Blog: Planspiel „Planwirtschaft und Zentralverwaltungswirtschaft
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