Venezuela und wir

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Die Opposition in Venezuela ist glücklich. Obwohl nicht alle Wahlmaschinen einwandfrei funktionierten, sind die Sozialisten abgewählt worden. Bleibt abzuwarten, wie sich der sozialistische Präsident Maduro verhält. Eine Koalition zwischen den zahlreichen ehemaligen Oppositionsparteien dürfte nicht einfach werden.

In den deutschen Medien musste man schon genau hinhören, um zu erfahren, dass seit über einem Jahrzehnt, beginnend mit Hugo Chavez, das Land heruntergewirtschaftet wurde. Unternehmer wurden enteignet, Kritiker eingesperrt, Gegner gefoltert, Wahlen manipuliert, Militärs und Regierungsparteipolitiker bereicherten sich.

Mit den einstmals sprudelnden Öleinnahmen wurden sozialpolitische Wohltaten finanziert. Außer dem Verteilen der Ölüberschüsse an die Armen passierte nicht viel. Strukturreformen (Bildung, Gesundheit) gab es nicht. Dafür kostet der Liter Benzin nur 2 Cent.

Die europäische Linke war von Chávez begeistert. Chávez-Verehrer Prof. Lothar Bisky (SED/Linkspartei) ist tot, aber Verehrerin Dr. Sahra Wagenknecht stünden Talkshows zur Verfügung. Warum befragt sie niemand zu ihrem Venezuela-Lob? (Wagenknechts Antwort kann ich mir denken: Es waren die Faschisten, die Neoliberalen, die USA, die Finanzmärkte und die CIA, die das Land ruinierten. Irgendein Geheimpapier wird man ihr zugespielt haben.)

Jetzt sind die Armen wieder so arm wie vor Chávez. Jetzt sind aber auch Klopapier und Grundnahrungsmittel knapp. Einzig die „revolutionären“ Parteikader, inklusive Familie Chávez, sind jetzt reich.

Meist wird in den deutschen Schlagzeilen der fallende Ölpreis als Grund für die Wirtschaftsmisere genannt. Die sozialistische Wirtschaftspolitik wird, wie etwa in der Zeit, kleingeredet. Die Bedingungen für eine Erholung und grundlegende Besserung sind allerdings schlecht.

Siehe auch hier!

Es gibt auch eine kritische deutsche Berichterstattung. im Auslandssender Deutsche Welle!

A propos Bereicherung: Dem Nachbarn Nicaragua, von den sozialistischen Sandinisten regiert, erging es ähnlich. Die Familie Ortega, zu der Ober-Sandinist Daniel Ortega gehört, ist nach 30 Jahren Sozialismus die reichste Familie des Landes.

Ortega und seine Genossen stürzten 1979 den Diktator Somoza, der von den USA gestützt wurde. Ortega regiert seit damals ununterbrochen, obwohl die Verfassung das nicht vorsieht.

Auch die linken Regierungen in Brasilien, Peru und Argentinien haben abgewirtschaftet.  Chile hat die ruinöse Enteignungs- und Verstaatlichungspolitik des orthodoxen Marxisten Allendes mit einem harten Reformkurs überwunden.

Das kleine Uruquay fährt einen gemäßigt linken wirtschaftspolitischen Kurs, mit dem die ganz Linken nicht einverstanden ist. Aber es bleibt das politisch und ökonomisch stabilste Land.

Nicht Brasilien, Argentinien und Venezuela, die eigentlich potenteren Staaten Lateinamerikas haben die besseren Zukunftschancen, sondern Chile und Kolumbien (wenn es die Terrorbanden der FARC endgültig befriedet), die bisher in der zweiten Reihe standen.

Einzig Bolivien bleibt bei seinem Verstaatlichungskurs. Er habe Wachstum und Wohlstand gebracht, jubelte das linke deutsche Online-Magazin telepolis. (Die bolivianischen Sozialisten berufen sich mehr auf indigene Traditionen als auf Marx.)

Regierungschef Morales hat inzwischen rhetorisch abgerüstet. Die Verfassungsreform, die er haben möchte, wird ihm allerdings auch von vielen verweigert, die seinem Kurs Bildung und sozialen Wohlstand verdanken.

Brasilien und Kolumbien orientieren sich wieder stärker nach Nordamerika und Europa, weniger nach Kuba, Venezuela und Bolivien.

Die Juden Boliviens allerdings wandern zunehmend aus. Der Antisemitismus hat zugenommen, seit Morales die Zusammenarbeit mit den Mullahs in Teheran verstärkt hat. Die jungen Juden sehen auch bessere Berufschancen in den USA und Europa.

Bernie Sanders und Venezuela
Quelle: Twitter

Der linke US-Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders lag mit seinem Urteil auch daneben.

 

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