Frau Wagenknecht und die griechischen Apotheken

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Früher war es faszinierend, ihrem Mann Oskar Lafontaine zuzuhören. Er schwang sich von einer Behauptung zur anderen, er belegte seine Thesen mit Zahlen, Zahlen, Zahlen. Wenn man die erste falsifiziert hatte, war er schon wieder drei Gedanken und vier Zahlenvergleiche weiter. Imponierend!

Auch Frau Dr. Wagenknecht ist eine begnadete Rednerin. Anfang letzten Jahres hielt sie eine Rede zu Griechenland. Darin sind natürlich alle schuld daran, dass die Griechen hungern: die internationalen Banken, die griechischen Banken, die Hedgefonds, die EZB, Herr Schäuble und die griechischen faschistischen Parteien.

Was in ihrer Rede fehlte: Die nötigen Reformen und die Reformunfähigkeit des Landes. Der Schuldenschnitt, den die Linken und die SPD fordern, wird nichts bringen. Griechenland lebt seit dem EU-Beitritt von EU-Geldern.

Wenn die Schulden, wie Frau Dr. Wagenknecht fordert, weg wären, wäre ja nichts gewonnen. Da, wie sie nicht ganz korrekt behauptet, die Milliardenhilfen sowieso nur den europäischen Banken und Gläubigern in den Rachen geworfen würden, müssten nach dem Schuldenschnitt die ausländischen Milliarden gezahlt werden, um Griechenland am Laufen zu halten, denn, wie gesagt, von Reformen ist bei Wagenknecht nicht die Rede und in Griechenland werden sogar die wenigen Reformen unterlaufen oder wieder rückgängig gemacht.

Abgesehen davon ist das, was bei den ständigen Kreditverhandlungen vereinbart wird, de facto ein Schuldenschnitt: Die Tilgungen wurden gestreckt bis 2050, die Zinsen liegen bei einem Prozent und weniger. Bei einigen Anleihen beginnt die Tilgung erst in einigen Jahren.

Besonders perfide ist Frau Dr. Wagenknechts, wenn sie auf die „armen“ griechischen Apotheker/-innen verweist, die kein Geld mehr vom Staat erhielten. (Ab 4:05) Es war die Apothekerlobby, die z. B. dafür gesorgt hat, dass Milchpulver teuer bei ihnen gekauft werden muss und nicht billig in den Supermärkten zu bekommen ist. Als dieses Privileg abgeschafft wurde, haben die „armen“ Apotheker erreicht, dass Milchpulver verschreibungspflichtig wurde und Ärzte das teure Apothekenpulver verschrieben. (Es ist übrigens das gleiche Pulver wie das in den Supermärkten, hat aber einen anderen Namen.)

Zum reformunfähigen Griechenland siehe auch hier!

Update Dezember 2015: Frau Dr. Wagenknecht hat den deutschen Beitrag zur Bekämpfung des IS mit dem Terror des Terror gleichgesetzt. (Julia Encke in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung fand die Rede beeindruckend.)

Jetzt schreibt eine iranische Kommunistin ihrer deutschen Genossin einen Offenen Brief, in dem sie fragt, wieso Wagenknecht kein Wort verliert über die Steinigung, das Auspeitschen und die Hinrichtung von Frauen durch die islamistgischen „Psychopathen„.

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