Die Stasi in den Familien

Gepostet am Aktualisiert am

Verführung, Kontrolle, Verrat. Das MfS und die Familie. Zeitzeugen berichten.

So heißt der von Martin Ahrends herausgegebene Band.

Die Stasi hat Familien, Ehe- und Liebespaare beschädigt, sie hat die Beziehungen zwischen Geschwistern und Verwandten belastet. Die hier erzählten Geschichten eröffnen eine andere Dimension der DDR-Aufarbeitung. Lenkt schon die Verkürzung auf das MfS als Hauptschuldigen von einer angemessenen DDR-Aufarbeitung ab, so ist auch die Konzentration auf die IMs zu oberflächlich.

Die soziale Vergiftung der Menschen durch die Stasi wird erst in diesen Geschichten erkennbar. Täter und Opfer lassen sich nicht mehr so einfach auseinanderhalten. Auch Täter waren Opfer. Die Mitarbeit war ein Teil des Lebens und des Alltags, die Ungeheuerlichkeit stellt sich erst im Nachhinein heraus, man redet sich das schlechte Gewissen aus.

Es stellt sich gar nicht so sehr die Frage, wer schuldig ist. Vielmehr ist zu erkennen, wie eine Ideologie Menschen zerstört.

Manchmal denkt man bei der Lektüre an einen gut erfundenen Roman, aber wieder einmal ist es das Leben, das die unwahrscheinlichsten Geschichten liefert.

Wenn ich ein herkömmliches, im Wortsinne harmloses Museum der DDR-Alltagskultur betrete, denke ich jetzt an den Alltag der Menschen, mit denen Martin Ahrends gesprochen hat.

ahrends

Der Bericht „Verlorenwasser“ gehört zu dieser Sammlung und war vorab erschienen.

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