Wie das Land Brandenburg die Entschädigung enteigneter Bauern und Gutsbesitzer verhindert

Gepostet am Aktualisiert am

Die Potsdamer Neuesten Nachrichten haben am 28.8. auf einer Doppelseite über die skandalöse Agrarpolitk der Brandenburger Landesregierungen berichtet.

Vor 70 Jahren wurden alle Gutsbesitzer, die mehr als 100 Hektar bewirtschafteten, enteignet, vor 55 Jahren wurden die Bauern, die kleine und damit unrentable Flächen aus Gutsbesitz im Rahmen der „demokratischen Bodenreform“ bekommen hatten, gezwungen, ihren Besitz an die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) abzugeben. Letzteres war ein wesentlicher Grund für den Mauerbau 1961. Tausende enteigneter Bauern hatten die DDR wegen Zwangskollektivierung verlassen, einige hundert begingen Selbstmord. Es kam zu einer Versorgungskrise.

Die Landwirtschaftspolitik aller Brandenburger Regierungen bevorzugte nach der Wende die LPG-Nachfolger. Die „roten Barone“, die mächtigen SED-Genossen, die LPG-Vorsitzende waren, waren plötzlich Besitzer oder Geschäftsführer von Agrarfarmen. Die Genossenschaftsbauern wurde mit falschen Zahlen um ihre Anteile betrogen, die Kommunen erhielten Weisung vom Finanzministerium, nicht zu intensiv nach Erben der enteigneten Bauern zu suchen. Die ehemaligen roten Barone haben ihren eigenen Bauernverband. Der Vorsitzende, früher LPG-Chef, heute Chef der in eine Agro-Farm umgewandelten LPG, wäre bei einem SPD-Wahlsieg Bundeslandwirtschaftsminister geworden.

Es ist gerichtsnotorisch bis hinauf zum BGH, dass Brandenburg gegen Recht verstoßen hat und u. a. die enteigneten Bauern bzw. ihre Erben geprellt hat, sich das angeblich herrenlose Land angeeignet und verkauft hat.

Wenn Tatjana Jury abends in rbb-aktuell beklagt, dass ausländische Agrarkonzerne Riesenflächen in Brandenburg aufkaufen und daher Ackerland immer teurer und unerschwinglich für mittelständische Agrarbetriebe würde, kann ich nur traurig lächeln. Dass die weiterbestehende DDR-Agrarstruktur diese Entwicklung  begünstigt, wird nicht gesagt.

Derweil feiern die Sozialisten am Kyritzer Denkmal für die Kollektivierung der Landwirtschaft die „fortschrittliche“ Agrarpolitik ihrer Vorfahren. Ein Denkmal zur Erinnerung an die Zwangskollektivierung wurde in Sachsen-Anhalt, nicht in Brandenburg aufgestellt.

Alle Einträge zum Thema Bodenreform und Zwangskollektivierung (teilweise Überschneidungen)

Die PNN-Doppelseite

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