Siedlung der Intelligenz

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Kulturschaffende, die den Kommunismus preisen, sind für die SED, wie für jede kommunistische Partei, äußerst wichtig gewesen. Für sie werden „Siedlungen der Intelligenz“ gebaut. (Ob der Volksmund den Begriff prägte oder die SED selbst es so nannte? Für beides finde ich Hinweise.)

Vor allem wollte man aus dem Exil zurückkehrende Künstler und Intellektuelle gewinnen. Die Partei ließ sich nicht lumpen: Sie ließ die Kulturschaffenden in Siedlungen wie der in Berlin-Grünau wohnen: großzügige Seegrundstücke, komfortable Ausstattung, niedrige Miete.

Von Vorteil war auch, dass man sie so alle zusammen hatte und gut überwachen konnte. In einer der Villen residierte das MfS. Der Pakt der Kulturschaffenden mit der SED brachte neben dem schönen Wohnen weitere Privilegien: Bessere Versorgung, bessere medizinische Betreuung, selbstverständlich Telefon und Pkw, nicht zuletzt der Aufenthalt in den Kulturbund-Häusern an den schönsten Orten der DDR. Außerdem brachten sie durch Auslandsauftritte Devisen ins Land.

Die Überwachung der Intelligenz war nötig, denn bei manchem schwächte sich die Begeisterung über die klassenlose, kapitalismusfreie kommunistische Gesellschaft ab, etwa bei Stefan Heym, einem Bewohner der Grünauer Intelligenzsiedlung. Dessen Buch über den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 erschien in der Bundesrepublik, nicht aber in seinem Heimatstaat. Die Annehmlichkeiten, die die SED den Kulturschaffenden bot, bewogen aber auch kritischere Geister, es in der DDR auszuhalten.Zum Abendessen beim Italiener auf dem Kurfürstendamm durfte Heym immer ausreisen.

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