Linker Judenwitz

Gepostet am Aktualisiert am

Früher war meine Bewunderung für Journalisten groß: Sie verfügten über einen beeindruckenden Wissensfundus, fanden mir unbekannte historische Bezüge, konnten nachvollziehbar argumentieren und nicht nur behaupten.

Allerdings habe ich oft erlebt, dass Zeitungsleute, denen eine moderne Schulbibliothek gezeigt und erklärt wurde, hinterher vom „Bücherhort“ und Bücherausleihe schrieben. Man schreibt das, was man sehen will. Was wirklich war und ist, interessiert weniger.

Am schlimmsten sind Kolumnist/-innen. Die müssen nämlich nicht selbst recherchieren oder Reportagen schreiben. Sie verkünden ihre Meinung. Das aktuelle Beispiel:

Die Kolumnistin Silke Burmester (taz, Die Zeit) nimmt in einem Tweet daran Anstoß, dass es Sportfestspiele nur für Juden gibt und macht sich darüber lustig: „Was bitte sind ›jüdische Sportfestspiele‹? Haben Juden seit 36 ein eigenes Olympia?“

Der Anlass sind die Makkabi-Spiele, die erstmals in Berlin stattfinden und die Meldung von den Sicherheitsmaßnahmen angesichts rechter Drohungen. Frau Burmester fällt dazu nur ein Witz ein: „Was soll das sein? Hakenkreuzweitwurf?“ twittert sie.

Als man sie im üblichen Social-Media-Stil aufklärt (Geschichtsunterricht verpennt?) aufklärt, dass die Gründung jüdischer Sportvereine und die Makkabi-Spiele eine Reaktion auf die zunehmende Ausgrenzung jüdischer Sportler aus Vereinen und Wettkämpfen waren, merkt sie, dass sie ein Opfer ihres publizistischen Tunnelblicks geworden ist: Sie ist gegen besondere Zuordnungen: „Ich verstehe, wenn nicht alle meinen Tweet zum „jüdischen Sport“ gelungen finden. Ich hätte nur gern eine Welt jenseits der Zuordnungen.“ Schluss aus, es wird ja schon wieder eine neue Sau durch Twitter gejagt (Landesverrat).

(nach Alex Feuerherdt in Achse des Guten

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