„Der stille Don“ – ein Plagiat?

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Der Roman „Der stille Don“ war eine Auftragsarbeit des Geheimdienstes GPU. Das hat ein russischer Literaturwissenschaftler herausgefunden. Den Sowjets ging es darum, nachzuweisen, dass es eine hochstehende sowjetische Literatur gab, die identitätsstiftend sein konnte. Die Wirtschaft kriselte, die Parteigranden stritten um Lenins Nachfolge, der Geheimdienst regierte de facto das Land. Da war es günstig, wenigstens kulturell zu zeigen, was die Sowjetmacht vermochte.

Der Literaturwissenschaftler Bar-Sella bestätigt die Gerüchte, die es schon bei Erscheinen des ersten der vier Bände Ende der Zwanziger Jahre gab. Allerdings ist auch die Plagiatsbehauptung umstritten. Der Roman erzählt die Geschichte eines Donkosaken, der im Ersten Weltkrieg und im russischen Bürgerkrieg kämpft.

Scholochow war ein Kleinkrimineller, der sich auch als Schriftsteller versuchte. Er war Geheimdienstspitzel. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges war er 9 Jahre alt gewesen, er war weder Kosake, noch kannte er die Donregion. Über Literatur und das Schreiben sprach Scholochow ungern. Mindestens an einem Band hat ein weiterer Autor mitgeschrieben. Auch das spätere „Neuland unterm Pflug“ hatte Ghostwriter. Bar Sella fand auch die -sprachlich sehr viel anspruchsvollere – Vorlage zum Stillen Don.

1958 hatte Boris Pasternak mit „Doktor Schiwago“ den Literatur-Nobelpreis gekommen. Das Buch war in der UdSSR verboten. Der prokommunistische Philosoph Sartre lehnte daraufhin einen Nobelpreis ab. Scholochow bekam den Literatur-Nobelpreis 1965. Das Geheimdienstprojekt war erfolgreich abgeschlossen.

(nach Kerstin Holm, Die Ruhmsucht der Sowjetunion, FAZ v. 31.7.15, p 9)

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