Sollten die Herkunftsstaaten der Flüchtlinge ihre Leute einsperren, wie es die DDR machte?

Gepostet am Aktualisiert am

Ich bin an diesem verregneten Sonntagnachmittag einmal wieder bei „Wostkinder – Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen Ost und West“ von Katrin Rönicke, der „ins Netz schreibenden und denkenden“ Bloggerin gelandet. Die DDR kann bei ihr, die als Kind mit den Eltern die DDR vor der Wende verlassen hat, keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. Das hindert sie nicht daran, die abenteuerlichsten Vergleiche ins Netz zu denken. Also etwa, dass der Terror, der in der UdSSR von 1917 bis zu Stalins Tod 1953 in unterschiedlicher Intensität geherrscht hat, vergleichbar mit den Schattenseiten des Neoliberalismus wäre, die sie in den Jahren nach dem Zusammenbruch in Russland festzustellen meint.

Sie gibt vor, die Wahrheit in irgendeiner Mitte zu suchen, lässt sie aber ungefunden liegen. Ihr liegt eher das postmoderne Narrativ als die Suche nach Wahrheit. Klar ist aber bei ihr jedenfalls, dass der Westen der Hauptbösewicht ist: Treuhand, Währungsunion, Annexion, Plattmachen etc. (Nebenbei gefragt: Warum sollten eigentlich die Westfirmen, die die großartigen Ostprodukte, Kühlschränke, Fotoapparate, Unterwäsche, billig einkauften und im Quelle-Katalog oder im IKEA-Regal teuer verkauften, ein Interesse daran gehabt haben, diese Lieferanten plattzumachen?)

Ihr neuester Vergleich: Die vier Millionen DDR-Flüchtlinge wurden im Westen liebevoll aufgenommen und integriert. Bei den Flüchtlingen aus Afrika und Asien stellt sich Europa jetzt so hartherzig an und macht die Grenzen dicht. Wo Frau Rönickes Vergleiche einschlagen, da wächst kein Gegenargument mehr.

Natürlich findet sie das Totschießen an der innerdeutschen Grenze nicht so doll. Dass sie die DDR gleichwohl nicht für einen Unrechtsstaat hält, wird erkennbar an ihrer feinziselierten Sprache: Das Wort vom Unrechtsstaat DDR sei in „unserem Sprachgebrauch“, wohl gemerkt: nicht in ihrem. Für sie sind die „Grenzer des Kapitalismus“ die wahren Schlimmen. Man könne verstehen, dass die DDR ihre Bürger eingesperrt hatte, schließlich brauchte die SED jede Arbeitskraft. Warum rät sie, die ihre Gedanken als „bescheidene“ Meinungsbeiträge sieht, genau dies nicht den asiatischen und afrikanischen Herkunftsstaaten?

Was sagen eigentlich klugen Köpfe der FAZ dazu? Wollen sie eine unbedarfte Wossifrau bloßstellen, ist es gehobene Satire für das gebildete Lesepublikum oder macht die Zeitung das, was alle Printmedien in ihrem Onlineauftritt machen: Mit allen Mitteln die Klickzahlen in die Höhe treiben?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s