Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ins Massengrab

Gepostet am Aktualisiert am

Eine fast vergessene Aktion aus der unmittelbaren Nachkriegszeit beschreibt der FAZ-Korrespondent für Südosteuropa, Karl-Peter Schwarz: „Eine schändliche Operation“

Sechs Millionen Sowjetbürger wurden in den letzten Jahren des Krieges und kurz danach repatriiert, also Stalin ausgeliefert. So war das in Jalta vereinbart worden. Dazu zählten vor allem die Zwangsarbeiter/-innen, die die Deutschen aus den besetzten Ostgebieten nach Deutschland geholt hatten, ebenso die Soldaten, die die Kriegsgefangenschaft bei den Deutschen überlebt hatten. (Von den ca. sechs Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen ließen die Deutschen etwa die Hälfte verhungern, erfrieren oder ermordete sie.) Dazu kamen Soldaten der Wlassow-Armee, die mit den Deutschen gegen die Sowjetunion gekämpft hatten. Auch einige tausend Russen, die keine Sowjetbürger waren, wurden ausgeliefert. Die West-Alliierten wussten, dass es unter Stalin das „big killing“ geben würde, wie es der US-Kriegsminister nannte. Aber da sich viele westalliierte Soldaten noch in sowjetisch besetzten Gebieten befanden, war man gefällig. Stalin hatte schon einige alliierte Soldaten mit russischen Wurzeln erschießen lassen.

Er hatte angeordnet, dass jeder Sowjetbürger, der in Kriegsgefangenschaft geraten war, als „Verräter“ behandelt werden sollte, d. h. er würde vom NKWD erschossen werden. Schon vor dem Mai 1945 hatte der NKWD die Planung von Lagern begonnen.

Die Kosaken hatten mit dem Einmarsch der Hitlerarmee gehofft, sie könnten den Kampf gegen die Bolschewisten gemeinsam mit Hitler führen. Der wollte davon nichts wissen, ähnlich wie bei den ukrainischen Freiheitskämpfern. Die Kosakenarmee wurde zuletzt zur Bekämpfung der kommunistischen Partisanen in Jugoslawien eingesetzt.

Im Mai 1945 befanden sich in Kärnten und Osttirol ca. 25.000 Kosaken, Soldaten, Offiziere und ihre Familien. Dazu kamen Menschen aus dem Kaukasus sowie Ukrainer der SS-Division „Galizien“, einige tausend antikommunistische Bosniaken, Kroaten und Slowenen, die vor den Partisanen Titos geflohen waren. Innerhalb von nur vier Wochen verluden die Briten ca. 15.000 Menschen, Männer, Frauen und Kinder auf Lkws und brachten sie zu Übergabepunkten.

Ein britischer Soldat sprach von einer „schändlichen Operation“. Britische Soldaten sollen mit Tränen in den Augen auf die Menschen, die passiven Widerstand leisteten, eingeschlagen haben. Tausende flohen unter den Schüssen der Briten in die Tiroler Berge, Männer töteten sich selbst, Frauen sprangen mit Kindern von Brücken in Flüsse.

Die westlichen Alliierten wollten Stalin um jeden Preis bei Laune halten, daher hielten sie sich an die Abmachung, auch wenn die Moral der eigenen Leute darunter litt und Menschen lieber Selbstmord begingen als Stalin in die Hände zu fallen. Einzig US-General Patton hatte 5.000 sowjetische Kriegsgefangene, die in seinem Gewahrsam waren, ungefragt freigelassen. Ca. 500 Soldaten der unter den Deutschen kämpfenden „1. Russischen Nationalarmee“ erbaten am 3.5.45 in Liechtenstein politisches Asyl. Sie wurden vom liechtensteinischen Fürsten Franz Josef II. nicht ausgeliefert.

Ca. 200.000 Jugoslawen, die in Hitlers Armee gekämpft hatten, waren im britischen Teil Österreichs interniert. Sie wurden jugoslawischen Partisanen übergeben. Man hat in Slowenien und Kroatien ca. 600 Massengräber entdeckt und vermutet noch weitere 900.

Siehe auch: Jörg Baberowski, Verwüstetes Land: Die Sowjetunion nach Holocaust und Krieg, in: Deutschland Archiv, 22.5.2015, http://www.bpb.de/207010

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