Die anderen Bootsflüchtlinge

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Nach der Machtübernahme der nordvietnamesischen Kommunisten flohen Hunderttausende Südvietnamesen in Booten über das Meer. Die Kommunisten hatten auch in Südvietnam Zwangsarbeit, Folter und Umerziehungslager eingeführt. Schätzungen gehen bis zu einer Million Boatpeople. Etwa die Hälfte ertrank oder wurde von Piraten überfallen und versklavt.

Anders als heute angesichts der Bootsflüchtlinge im Mittelmeer, gab es damals nur bescheidene Ansätze von Mitleid, Empörung oder Hilfe. Für die Linken, die in Amerika und Europa für den Sieg des Vietcong demonstriert hatten, waren die Boatpeople „Zuhälter und Schwarzhändler“ (So die von der SED finanziell unterstützte Zeitschrift konkret, in der Ulrike Marie Meinhof als Journalistin arbeitete, ehe sie RAF-Terroristin wurde.) Peter Weiß argumentierte wie schon Mao gerne argumentierte: Wenn es 50 Millionen Menschen nütze, dürfe man Zehntausende drangsalieren. Da war sogar die taz erschrocken. Jane Fonda war solidarisch mit Hanoi. Ein ARD-Korrespondent erleichterte den Linken die Ablehnung jeglicher Hilfe für die Boatpeople. Er wollte bei Hunderten von Interviews mit überlebenden Flüchtlingen herausgefunden haben, dass sie aus wirtschaftlichen Gründen geflohen waren. Auch deutsche Politiker/-innen gaben sich abwehrend. Die Rettungsaktion Rupert Neudecks mit der „Cap Anamour“ stieß nicht überall auf Gegenliebe. Exemplarisch dafür war Hessens Ministerpräsident Börner. Er wollte die Vietnamesen in ihrem Kulturkreis belassen. Die Rettungsaktion Neudecks, so hieß es, veranlasse noch mehr Menschen, über das Meer zu flüchten. Nur Niedersachsens Ministerpräsident Albrecht war gegen die Begrenzung der Aufnahme auf wenige tausend.

(Nach einem Artikel von Ulli Kulke in der Welt am Sonntag v. 31.5.15: „Die falschen Flüchtlinge“)

Auf der Suche nach einem Überblicksartikel zu den Bootsflüchtlingen finde ich: Julia Kleinschmidt, Die Aufnahme der ersten „boat people“ in der Bundesrepublik, Bundeszentrale f. pol. Bildung online 2013 (31.3.17). Vorausgesetzt wird, dass man weiß, dass es sich um Flüchtlinge vor der Einführung der brutalen kommunistischen Diktatur des Vietcong in Südvietnam handelt. Im Text wird lediglich von der Zunahme der Fluchtbewegung nach dem Sieg des Vietcong gesprochen. Gründe für die Flucht werden nicht genannt, dafür handelt der folgende Absatz davon, dass der Vietnamkrieg in Deutschland von Linksradikalen und der Bundesregierung kritisch gesehen wurde. Als „Beitrag Deutschlands in den Vietnamkrieg“ wird die Stationierung des Hospitalschiffes „Helgoland“ genannt.

Wenn man damals schon gewusst hätte, dass die Kinder und Kindeskinder der Boatpeople einmal die leistungsstärksten Schüler mit Migrationshintergrund in Deutschland sein würden!

Es gibt einen Verein „Danke, Deutschland! der in Deutschland lebenden Boatpeople und ihrer Nachkommen. Darüber berichtet Vera Lengsfeld Erstaunliches.

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2 Kommentare zu „Die anderen Bootsflüchtlinge

    Migrationshintergründe | Basedow1764's Weblog sagte:
    08/06/2015 um 9:44 am

    […] sind die vietnamesischen Boatpeople und ihre Nachkommen. Nach dem Sieg der Kommunisten im Vietnamkrieg 1975 flohen 1,5 Millionen […]

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    […] Idee, ins kommunistische Paradies Ho Chi Minhs zu fliehen. Hunderttausende ertranken im Meer, in Booten auf der Flucht vor den […]

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