Ost-West-Angleichung wird 45 Jahre dauern

Gepostet am Aktualisiert am

Der Berliner Politikwissenschaftler und DDR-Forscher Klaus Schroeder wurde von der FAZ interviewt (19.5.15: „Den Soli brauchen wir nicht länger“; faz.net/archiv).

Er zieht eine Bilanz der Förderung Ostdeutschlands. Zweitausend Milliarden € seien nach seiner Schätzung geflossen. (Das Ifo-Institut kommt auf 1,6 Billionen €). Offizielle Zahlen gäbe es nicht mehr. Die Bundesregierung befürchte wohl die politische Sprengkraft solcher Zahlen. Schroeder sagt voraus, dass die Abarbeitung der DDR-Hinterlassenschaft so lange dauern werde wie die Misswirtschaft gedauert habe, 45 Jahre. Erst dann spräche man nicht mehr von Ost-West-Unterschieden.

Er plädiert dafür, gezielt strukturschwache Gebiete in Ost- und Westdeutschland zu fördern und nicht länger den gesamten Osten.

Die 1990 beschlossene Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion wäre der Versuch gewesen, zu retten, was nicht zu retten war. gleichwohl sieht er keine Alternative zu den damaligen Konditionen, einem Umtauschkurs für Löhne und Mieten von 1:1 und dem generellen Umtauschkurs 1:2, die beide weitab von der Realität lagen, sowie der Angleichung an das westdeutsche Sozialsystem.

Bei Berücksichtigung der unterschiedlichen regionalen Kaufkraft betrügen die Haushaltseinkommen zurzeit 85 – 90% der Westdeutschen, bei den durchschnittlichen Renten läge der Osten vor dem Westen. Beim Vermögen komme der Osten auf 50-60% des Westwertes. Die unterschiedlichen Vermögensverhältnisse seien ein DDR-Erbe. In der konnten die meisten Menschen 45 Jahre lang nichts anhäufen.

Ergänzung GS: von Ausnahmen abgesehen! Mit Beziehungen kam man günstig an ein Haus, das Ausgereiste hinterließen. Die Nomenklatura konnte günstig essen und einkaufen, bekam günstig beste medizinische Versorgung bei dreifachem oder noch höherem Gehalt als die Durchschnittsbürger. Auf geringerem Niveau als im Westen gab es auch im Osten eine ziemlich ungleiche, in der Spreizung ähnliche Vermögensverteilung: einige hatten viel, viele hatten wenig. Das stellte sich beim Umtausch von Geldvermögen heraus. Prof. Schroeder sagte einmal auf einer Veranstaltung, dass Kontoaufstellungen, aus denen das hervorging, 1990 verschwunden seien.

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