Rudi Dutschke im Interview mit Günter Gaus

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Rudi Dutschke, der Studentenführer der 60er Jahre, wollte eine Revolution, in der eine aufgeklärte Minderheit die von den Kapitalisten unterdrückte und desinformierte Mehrheit dazu bringt, sich selbst zu organisieren und sich auf ihre Fähigkeiten zu besinnen, „Fähigkeiten der gegenseitigen Hilfe, der Fähigkeit des Menschen, seinen Verstand in Vernunft zu transformieren und die Gesellschaft, in der er lebt, zu begreifen und sich nicht von ihr manipulieren zu lassen“.

Dutschke weiß, dass es ein lang andauernder Transformationsprozess werden wird, aber erfolgreicher als die Revolution der Bolschewisten 1917 und die Aufstände der Kommunisten in der Weimarer Zeit. Er glaubt, dass er ohne Gewaltanwendung, ohne Gefängnisse und Konzentrationslager, ohne bürokratische Apparate und Parteien den neuen Menschen erschaffen kann, auch wenn es in Berlin 1967 gerade erst 15 Personen sind, die ihr Leben in den Dienst der revolutionären Aufklärung der Massen gestellt haben. Für die Bewusstwerdung und Selbstorganisation der unterdrückten Massen in der Dritten Welt sieht er aber durchaus die Notwendigkeit, auch Gewalt anzuwenden.

Nicht alle Revolutionäre im Umfeld des sozialistischen Studentenbundes waren so zurückhaltend gegenüber revolutionärer Gewaltanwendung. Der marxistische Philosoph Jürgen Habermas fühlte sich angesichts des linksextremistischen Aktionismus an faschistische Bewegungen erinnert und sprach von Linksfaschismus. Das schwächte er später ein wenig ab.

In der revolutionären Studentenbewegung fasste Gewaltanwendung Fuß. Erst gab es Fritz Teufels „Spaßguerilla“ mit Eierattentaten“, dann durfte „Gewalt gegen Sachen“ ausgeübt werden („Macht kaputt, was euch kaputt macht!“), dann gab es interne Strafmaßnahmen gegen unsichere Kantonisten. In Zusammenarbeit mit der palästinensischen PLO wurden jüdische Einrichtungen in Berlin (am 9.11.69!) und München (7 Tote) in Brand gesetzt. Die Juden waren in den Augen der jungen deutschen Linksextremisten die neuen Faschisten. Die Idee, die Olympischen Spiele von 1972 in München mit Terrorakten zu stören, stammte von den „Tupamaros“ Georg von Rauch und dem Antisemiten Dieter Kunzelmann. Es endete in der Ermordung von 34 Menschen durch die „Rote Armee Fraktion“.

Günter Gaus im Gespräch mit Rudi Dutschke. Transkript einer Sendung des SFB von 1967

 

Aus einer Zeit, als es noch keine Talkshows mit Anne Will, Günter Jauch und Frank Plasberg gab.

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