Grundkurs Marxismus in leichter Sprache

Gepostet am Aktualisiert am

„Die marxistische Heilslehre ahmte eigentlich die christliche nach. Am Anfang war eine vollkommene Welt ohne Privateigentum, ohne Klassen, ohne Ausbeutung und ohne Entfremdung – der Garten Eden. Dann kam die Sünde, die Entdeckung des Privateigentums, und die Schaffung der Ausbeuter. Die Menschheit wurde aus dem Paradies vertrieben und litt nun unter Ungleichheit und Mangel. Danach experimentierten die Menschen mit einer ganzen Reihe von Produktionsweisen, von der Sklaverei über die Feudalgesellschaft bis zum Kapitalismus, immer suchten sie nach einer Lösung und fanden sie nicht. Schließlich kam ein wahrer Prophet mit einer Heilsbotschaft: Karl Marx, der die Wahrheit der Wissenschaft predigte. Er versprach Erlösung, wurde aber nicht weiter beachtet, außer von seinen engsten Jüngern, die die Wahrheit weiter verbreiteten. Am Ende aber wird das Proletariat, der Träger des wahren Glaubens, von den religiös Auserwählten, den Führern der Partei, bekehrt werden und zusammen mit ihnen eine vollkommene Welt schaffen. Eine letzte schreckliche Revolution wird Kapitalismus, Entfremdung, Ausbeutung und Ungleichheit hinwegfegen. Danach wird die Geschichte zu Ende sein, weil auf der Erde Vollkommenheit herrscht, und die wahren Gläubigen sind erlöst.“

(aus: Marxismus und Christentum, von Chirot und McCauley, p. 142f, zitiert nach Steven Pinker, Gewalt – Eine neue Geschichte der Menschheit)

Siehe auch aus einem früheren Blogbeitrag:

Michail Ryklin, Kommunismus als Religion. Die Intellektuellen und die Oktoberrevolution, Frankfurt/Main und Leipzig 2008, ist eine hervorragende Darstellung des Sowjetkommunismus unter Lenin und Stalin (Mit einem Nachwort zu Russland unter Putin).

Ich werde dem philosophisch und theologisch argumentierenden Philosophieprofessor Ryklin nicht gerecht, wenn ich jetzt nur auf die erstaunlichen äußeren Parallelen verweise: Kult, Dogmatik, Unfehlbarkeitsanspruch, Erlösungs- und Paradiesvorstellungen, Inquisition, Vernichtung der Un- oder Andersgläubigen.

Ryklin setzt sich mit den “Rückkehrerberichten” der begeistert aus Europa anreisenden Intellektuellen in das neue Mekka Moskau auseinander: Ignazio Silone, Bertrand Russell, Lion Feuchtwanger, Arthur Koestler, André Gide. Sie alle kehrten ernüchtert, erschrocken, entsetzt zurück, angesichts des Scheiterns des kommunistischen Experiments.

Sie bagatellisieren (Brecht: “Schönheitsfehler”) den Terror, nehmen ihn schlicht nicht zur Kenntnis, werden als Abtrünnige diffamiert, versuchen, die Heilsversprechen von der sozialen Gleichheit und dem neuen Menschen trotz der bolschewistischen Deformation zu bewahren. Selbst Stalins Schauprozesse sieht Ryklin als Inkarnation der bolschewistischen Glaubenslehre. Die Todesurteile gegen angebliche Verräter, Lenins Weggefährten, (und ihre Frauen und Kinder) haben nicht die geringste juriatische Qualität, sie werden in einer Inszenierung gefällt, an der die abtrünnigen Gläubigen mitwirken, z. T. die Drehbücher schreiben (Radek) und so noch ihren eigenen Tod als Opfer für die geliebte Partei verstehen.

Bleibt zu hoffen, dass die beliebte Schauspielerin und Regisseurin Katharina Thalbach, die eine christliche Jugend erlebte, das Buch einmal in die Hand bekommt. Sie nämlich ist “froh, bei dem Experiment DDR dabei gewesen zu sein” (Potsdamer Neueste Nachrichten v. 6.8.08). Dabei wurden sie und ihr Mann Thomas Brasch (Von seinem Vater, einem DDR-Minister denunziert) von der SED ziemlich drangsaliert.

Aber Gläubige sind rationalen Argumenten nicht zugänglich. Karl Radek wurde mit einem seligen Lächeln auf den Lippen nach Sibirien geschickt. Dort wurde er von seinen Mithäftlingen erschlagen. Seine Frau und seine Tochter wurden, entgegen einer Zusicherung Stalins, erschossen.

Das Buch habe ich mir per Fernleihe aus Schwerin nach Potsdam holen müssen!

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