Thomas Piketty, der Marx des 21. Jahrhunderts

Gepostet am Aktualisiert am

Der französische Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty hat einen Bestseller geschrieben: „Das Kapital im 21. Jahrhundert“

Er will ausgerechnet haben, dass Kapitalbesitzer über Jahrhunderte schneller reich wurden als Menschen, die durch Arbeit Geld verdienten. Das hätte daran gelegen, dass die Zinsen höher gewesen seien als das Wirtschaftswachstum.

So revolutionär finde ich die These nicht. Wer viel Geld hat, erhält viel Zinsen, die wieder verzinst werden. Das macht bei 10 Milliarden einiges aus, mehr jedenfalls als bei 3.000 €.

Im 20. Jahrhundert war das mit dem schneller wachsenden Zinseinkommen nicht mehr so eindeutig und auch heute ist das Verhältnis von Kapitaleinkommen und Arbeitseinkommen geringer als vor 100 Jahren. (Das kann man aus Pikettys Zahlenreihen ablesen.) Piketty erklärt, dass das 20. Jahrhundert eine Ausnahme sei. Es gehe immer so weiter, die Schere würde sich nur noch mehr spreizen.

Piketty wurde kritisiert. Seine neueste Erklärung: Die Berechnungen würden nur die Zeit bis zum Ersten Weltkrieg erklären. Für die Zukunft hätte seine Theorie keine Geltung. Und überhaupt: er sei missverstanden worden.

Was ist passiert? Zum einen wurden in den Unmengen von Zahlen, die für viele Staaten von Piketty und Mitarbeitern zusammengetragen werden mussten, Additions- und Zuordnungsfehler entdeckt. Dann sagen Statistiker, wenn man für Behauptungen wie die, in Deutschland sei die Kluft zwischen den Reichen und den Arbeitnehmern gewachsen, die gewählten Zeiträume ein wenig verschoben hätte, wären andere Ergebnisse herausgekommen. (Also etwa statt die Entwicklung der Unterschiede zwischen 2000 und 2010 die zwischen 2005 und 2015 berechnet hätte; es handelt sich bei diesen Zahlen hier um von mir erfundene Beispiele.)

Zuletzt schrieb ein Doktorand der Wirtschaftswissenschaft, dass Piketty die Abschreibung vergessen hätte: Wenn Kapitalisten ihr Kapital investieren, bringt das nicht unbegrenzt mehr Geld. Wer Häuser baut, muss sie renovieren und modernisieren, Maschinen nutzen sich ab, Software muss ständig weiter entwickelt werden. Das alles schmälert die Rendite. Wenn das Kapitaleinkommen wachse, dann vor allem bei Immobilienbesitzern, so der Student weiter, weniger bei den Besitzern von Maschinen und Unternehmen. Jetzt sagt Piketty, Immobilien seien wichtiger als anderes Kapital.

Das 21. Jahrhundert sieht bisher anders aus, als es Piketty vorhersagt: Die Zinsen sind sehr niedrig, aber die Hauspreise steigen. Und die milliardenschweren Firmen im Silicon Valley sind nicht entstanden, weil Pikettys Formel r>g stimmt und Gates u. a. kluge Anlageberater gehabt hätten, sondern die hätten ihr Vermögen mit ihrem Verstand gemacht.

(Nach Lektüre mehrer Artikel in der FAZ)

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