Radlerparadies Potsdam

Gepostet am Aktualisiert am

Potsdam war die Jammer-Hauptstadt des Ostens, jetzt ist sie die Blitzer-Hauptstadt Deutschlands. (Die Zeitung zitierte einen Polizisten!) Nun ist sie auf bestem Weg, Radler-Hauptstadt des Landes zu werden. An dritter Stelle, nach Freiburg und Münster, steht sie schon. (Kritisch wie Journalisten nun mal sind, stand in der Zeitung: „Es bleibt noch viel zu tun.“)

Auf den Straßen werden Radspuren abmarkiert, die Kreuzungen werden radlerfreundlich gestaltet. Dass Autofahren in der Wertschätzung gleich nach Rauchen auf dem Balkon kommt, daran hat man sich gewöhnt. Umsteigen aufs Rad oder den öPNV mahnt die politische Elite, vor allem die grüne. Der grüne Bau- und Verkehrsdezernent geht mit gutem Beispiel voran. Er fährt auch dann auf dem Bürgersteig, wenn der nicht als Radweg freigegeben ist.

Zu kurz kommen die Fußgänger. Während Radwege auf Bürgersteigen meist befestigt sind, ist der in der Regel schmalere Teil, der für die Fußgänger gedacht ist, oft unbefestigt. Dass Bäume, Straßenschilder und Gullys nicht auf dem Radweg-, sondern auf dem Fußwegteil stehen, ist leider einsehbar. Wer diese auf dem Rad mit 17 km/h rammt, erleidet größere Verletzungen als ein Fußgänger mit 5 km/h. Manchmal springe ich als Fußgänger auf die Straße, wenn mir zwei nebeneinander fahrende Radler (natürlich in falscher Richtung) auf dem Bürgersteig entgegenkommen. Für zwei nebeneinander fahrende Radler/-innen ist der Radwegteil des Bürgersteigs (noch) nicht breit genug. Auf die Straße weiche ich auch vor Kinderarztpraxen und alternativ bewohnten Gebäuden aus. Da parken die Räder mit Anhängern und die Lastenfahrräder auf dem Bürgersteig. Sie haben eine Grundfläche, die an den Smart heranreicht.

Zwischen Hauptbahnhof und Filmmuseum ist eine sehr breite, leicht abschüssige Promenade entstanden – ein idealer Radler-Schnellweg. Immerhin wurde in der Zeitung einmal erwähnt, dass nicht alle Fußgänger darüber glücklich sind. Daraufhin hat die Stadtverwaltung ein Schildchen (Ich übertreibe nicht!) aufstellen lassen, auf dem steht so etwa: „Nehmt Rücksicht aufeinander!“

Irgendwann werden die Ladeninhaber in der Fußgängerzone ihre Eingänge mit rotem Teppich markieren, damit Kunden, die den Laden mit einer Einkaufstüte in der Hand verlassen, nicht gleich von einem Radler/einer Radlerin umgemäht werden. Meist schreit der Radfahrer „Vorsicht“, so dass der erschrockene Fußgänger rechtzeitig in den Laden zurückspringen kann.

Jetzt hat die radlerfreundliche Stadtverwaltung beschlossen, die Gratisparkplätze für die Autos ihrer Bediensteten mitten in der Stadt zu erweitern.

(Update: Der OB lässt jetzt auch über öPNV-Konzepte für die Stadtverwaltung nachdenken,)

Unvergesslich sind meine Eindrücke von Barcelona: Ich war fassungslos, dass Radfahrer an Fußgängerüberwegen warteten, bis die Fußgänger die Straße überquert hatten, bevor sie selbst die Sraße überquerten. In Potsdam ist das unvorstellbar. In Potsdam habe ich auch noch nie gesehen, dass ein Radler/eine Radlerin vor einem Fußgängerüberweg gehalten hätte. Auch eine rote Ampel stört manche nicht.

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