Was der Westen nie begriffen hat

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Die Erwartung, dass sich Russland nach dem Zusammenbruch des Imperiums ähnlich marktwirtschaftlich und parlamentarisch entwickeln würden wie die ostmitteleuropäischen Staaten, hat sich nicht der erfüllt. Was man im Westen nicht begriffen hat, benennt Marko Martin in der NZZ vom 10.3.15: „Westeuropas historische Amnesie“

„… Verwundern kann das freilich nur, weil im westlichen Ausland ebenjener Charakter der Jahrhundert-Umwälzung von 1917 nie wirklich begriffen wurde. Ließ nämlich selbst das völkermörderische NS-Regime die Eigentumsverhältnisse im Inneren Deutschlands weitgehend intakt, so feierte in der Sowjetunion die Verstaatlichung Triumphe – eine Tabula rasa über Jahrzehnte hinweg.

Die renitente Bauernschaft entweder ausgerottet oder in Kolchosen gezwungen, die Arbeiter bar jeder gewerkschaftlichen Vertretung, eine durch millionenfache Zwangsarbeit bewerkstelligte Schwerindustrialisierung, die aus proletarischen Kreisen aufgestiegenen Akademiker und Intellektuellen auf Linie gehalten, Generation um Generation im Sinne der Einheitspartei gehirngewaschen und jeder Alltag ideologisch okkupiert – das war ein flächendeckend erfolgreiches Experiment zur Züchtung des «neuen Menschen».

Um wirklich zu verstehen, was damals geschah – und bis heute mental und strukturell fortlebt –, genügt es nicht, Alexander Solschenizyns «Archipel Gulag» ungelesen im Bücherschrank stehen zu haben. Eher sollte man noch einmal die Bücher des emigrierten Dissidenten Alexander Sinowjew lesen, der seinen «Homo sovieticus» bereits 1982 prophezeien ließ, wie dieses gigantische Unterordnungsmodell noch ausgeweitet werden sollte: «Wir werden der Welt unseren Willen aufzwingen. Das ist es, weshalb wir um jeden Preis Westeuropa isolieren, neutralisieren, demoralisieren, absondern und aufweichen müssen.“

Die menschenverachtende Züchtung des neuen Menschen zeigt erschütternd am Beispiel des Steinzeitkommunismus in Kambodscha der Film „The Missing Picture“

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