Eine Kinderbuchautorin aus der DDR

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erlebte ich vor ein paar Tagen in der Amerika-Gedenkbibliothek. Christa Kozik ist bemerkenswert vielseitig: ausgebildete kartographische Zeichnerin, studierte Dramaturgin, Studium am Leipziger Literaturinstitut, Filmautorin (acht Filme) und nicht zuletzt erfolgreiche Kinderbuchautorin und Nationalpreisträgerin. Sie war in der DDR durch ihre Filme und Bücher sehr bekannt und beliebt.

Es ist eine seltsame Erfahrung, jemanden vor sich zu haben und zu hören, der als Kulturschaffender ein privilegiertes Leben in der DDR führte. Es war so viel besser als das Leben von Kinderbuchautoren heute. Es gab Autorentreffen und Fortbildungen. Bei Manuskriptablieferung zahlte der Verlag das Honorar aus, nicht wie in der BRD erst nach Verkauf der Bücher. In der DDR konnten 80% der Autor/-innen vom Ertrag ihrer Bücher leben, in der BRD wären es 20%. Es gab eine Hauptverwaltung Literatur (beim MfS; GS). Man kannte viele Kader, mit dem für die Literatur zuständigen Vizeminister konnte man reden. Man nahm sich kleine Freiheiten, z. B. die, in einem Kinderbuch einen Engel auftreten zu lassen. Dann kam die schwere Zeit, der Krankenhausbetrieb brach zusammen: 1989, als Ungarn die Grenzen öffnete und Ärzte das Land verließen.

Na ja, ich weiß von Dr. Gysi, der jederzeit ins westliche Ausland reisen durfte, von Dr. Dietmar Bartsch und Kerstin Kaiser, die in Moskau studieren durften, ich habe Dr. Dagmar Enkelmann gehört, die vom kritischen Staatsbürgerkundeunterricht schwärmte und dem offenen Umgang mit den vielen ausländischen Brüdern und Schwestern auf der FDJ-Akademie, wo sie Dozentin war. (Im Keller saß die Stasi und hörte alle Telefonate ab.) Sozialistische Staaten hofieren ihre Kulturschaffenden, so lange sie linientreu sind. Sie korrumpieren sie mit den Privilegien, die man jederzeit wieder entziehen kann. Wer mit Anfang 50 diesen Status wegen der „Wende“ verliert, wird mit dem neuen System immer fremdeln.

Ich weiß von den Schriftstellern, die noch 1989 wegen eines Gedichts, das der SED nicht gefiel, ins Zuchthaus kamen. Für sie war die Revolution kein Zusammenbruch, sondern ein Aufbruch. Frau Kozik bekam auch nach der Wende zahlreiche Preise, viermal Stipendien von Ministerien und Stiftungen. Aber was ist das, verglichen mit dem Nationalpreis der DDR.

Nun sind zwei Stunden Lesung nicht viel und ich will nicht vorschnell urteilen. aber manche Worte und Sätze sind schon aufschlussreich.

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