Das Frankfurter Nordend und der Islamismus

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Samuel Schirmbeck war in den 90er Jahren Nordafrika-Korrespondent der ARD und Reporter des Hessischen Rundfunks. Ich habe seine kenntnisreichen Beiträge in guter Erinnerung. Heute schreibt er in der FAZ einen ganzseitige Beitrag: „Die Linke im Muff von tausend Jahren“.

Es war die Zeit des Kampfes von Islamisten gegen die korrupte algerische Militärdiktatur. Die zehnjährige Auseinandersetzung kostete 150.000 Menschen das Leben. Die Terroristen bekämpften nicht nur das Regime, sondern überfielen auch Schulen, in den Jungen und Mädchen gemeinsam unterrichtet wurden, schütteten Säure über Frauen, die ihrer Meinung nach unschicklich bekleidet waren und ermordeten liberale algerische Schriftsteller und Künstler, die ebenfalls das Regime bekämpften, aber auch keinen islamistischen Gottesstaat wollten. Sie dagegen wollten den Steinzeitislamismus herbeibomben.

Bei seinen Frankfurter Freunden, SPD-Anhängern, Gewerkschaftern, 68ern und sonstigen alternativen Bewohnern des Nordends trafen sie auf Verständnis.

Bei kritischen Bemerkungen zum ganz normalen, alltäglichen nordafrikanischen Islam stieß er auf eine Mauer der Abwehr. Die linken Nordendbewohner führten den algerischen Bürgerkrieg auf postkoloniale Verwerfungen zurück. Schirmbeck zitiert dagegen den den damaligen Großmufti von Marseille, einen hoch angesehenen islamischen Rechtsgelehrten, der Verständnis für die Angst vor dem Islam zeigt: „Im Namen dieser Religion werden derzeit ungeheure Verbrechen begangen. Auch wenn ich kein Muslim wäre, würde ich mich fragen, was das für eine Religion ist, auf die sich diese Verbrecher berufen.“

Wer in Deutschland so etwas äußerte, wurde schon damals von den Linken als islamophob denunziert. Die taz hat noch 2014 den Vorsitzenden der EKiD als Stammtischpopulisten beschimpft, als der forderte, der Islam müsse sich mit den Islamisten auseinandersetzen.

(FAZ v. 19.1.2014, p 6)

Mein Lesetipp:

Der Schriftsteller Mohammed Moulessehoul schreibt unter dem Pseudonym Yasmina Khadra Kriminalromane, z. B. „Nacht über Algier“. Man erfährt durch die Bücher des im Exil in Frankreich lebenden Algeriers mehr über die arabische Welt, über den Islamismus, den Hass und die Gewalt als bei Todenhöfer, Jakob Augstein oder Harald Martenstein zusammen. Und, wer wollte, das schon vor zehn Jahren.

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